bis zum Jahr 250
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Durchschnittlich eine halbe Stunde von den Mauern ent-fernt, zieht sich um den ganzen Umkreis der Stadt ein heiligerKranz von etwa fünfzig altchristlichen unterirdischen Begräb-nisstätten, von denen einzelne in die apostolische Zeit hinaufrei-chen. In ihrer ursprünglichen Anlage lehnen sie sich an ver-wandte römische wie jüdische Vorbilder an (Gräber der Scipio-nen, vorchristliche jüdische Katakomben). Aber das Christentumdrückte ihnen sein besonderes Gepräge auf. Vorwiegend warenes zunächst reiche Mitglieder der Gemeinde, welche auf ihrenBesitzungen solche Begräbnisse anlegten, weshalb denn auchdie meisten Katakomben von ihren Gründern den Namen tragen,z. B. die der Priscilla, der Domitilla, des Prätextatus. Andereerhielten ihre Namen von berühmten Heiligen, die dort beigesetztwaren, wie die der hl. Felicitas, des hl. Valentin, des hl. Castu-lus; oder von besondern äußern Merkzeichen, z. B. ad duas lau-ros — „zu den beiden Lorbeerbäumen“.
Indem sich die Christen den römischen Gesetzen und Ge-bräuchen in Betreff des Begräbniswesens, soweit es nicht mitGötzendienst und Aberglauben zusammenhing, unterwarfen undanschlossen, begruben sie ihre Toten vor den Toren an den großenHeerstraßen, wobei sie innerhalb des ihnen zur Verfügung stehen-den Grundstückes (der area) unterirdische Gänge mit ansto-ßenden Grabnischen und Grabkammern anlegten. Dort setztensie die Leichen bei in Sarkophagen oder Steinsärgen, meistensaber in den Wänden des tuffartigen Gesteins. Die in diesen Wän-den ausgebrochenen größeren Nischengräber nannte man arco-solia, die gleich Schubladen übereinander ausgehöhlten Grabstät-ten loculi; letztere wurden mit Ziegel- und Marmorplatten ver-schlossen, auf die man dann die Inschrift malte oder einmeißelte.
jenige des S. Sebastian an der Appischen Straße bezeichnete. — DiesesCoemeterium blieb in der Zeit, als die übrigen Coemeterien (410—1578)verfielen und vergessen wurden, bekannt, zugänglich und der Gegenstandvon Pilgerbesuchen. Nach der Wiederentdeckung und dem literarischen Be-kanntwerden der übrigen Coemeterien (Antonio Bosio , „Roma Subterranea“,1632, G. B. De Rossi „La Roma sotteranea cristiana“, 1864—1877) wurdeder Name Katakomben von dem Friedhof des heiligen Sebastian auf die übrigenübertragen.