Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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bis zum Jahr 250

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Es ist keine Frage, daß die Heiden um die Begräbnisplätzeder Christen gewußt haben; aber an den Eingängen der Kata-komben stand das Gesetz, das auch in Zeiten der Verfolgung dieGräber vor Entweihung schützte, übrigens hätte ein Unkundi-ger sich wohl kaum weit hinein gewagt, um den Rückweg nichtzu verlieren. Die Erde und das Gestein haben die fossores un-behindert ans Tageslicht schaffen und als Baumaterial verkaufenkönnen.

Wenn wir versuchen, ein Bild von dem Leben der römi-schen Christengemeinde in unserem Zeitabschnitt zu gewinnen,so ist es sehr schwer eine andere Einheitlichkeit zu erblicken alsdie Gemeinsamkeit der religiösen Grundstimmung. Auch dieseGrundstimmung klar aufzufassen ist sehr schwierig. *)

Als authentischen Ausdruck der Art und Weise, wie dieseGrundstimmung an die Öffentlichkeit kam, kann man am ehe-sten das betrachten, was die überragenden geistigen Persönlichkei-ten unter den Christen die man die Apologeten des Christentumsnennt, geschrieben haben. Unter ihnen steht an erster Stelle Fla-vius Justinus, der älteste Kirchenvater. Geboren zu Sichern inSamarien, längere Zeit in Rom lehrend und dort um 165 dem Mär-tyrertod verfallen **) hat er durch die beiden Schriften dau-ernde Bedeutung erhalten:Apologie des Christentums an Anto-ninus Pius und Marc Aurel (nach dem Jahr 150 verfaßt) undGespräch mit dem Juden Tryphon.

*) Der Brief des Apostel Paulus an die Römer ist wohl der historischzuverlässigste und am tiefsten verinnerlichte Ausdruck christlicher Gesinnungim ersten Jahrhundert zugleich aber auch ein Beweis dafür daß nicht Glau-benslehre, sondern Lebensführung und Lebensgemeinschaft unter Abkehr vonder jüdischen sowie von der römischen Staatsreligion das Ideal der religiösenGrundstimmung bildet.

**) Justinus wurde von dem Stadtpräfecten Junius Rusticus, einem An-hänger der Stoa, dem Freunde und Lehrer des Kaisers, mit vier Jüngernund einer Frau Charitina zum Tode verurteilt, weil sie erklärten sie seienChristen und opferten den Göttern nicht. Sie wurden gegeißelt und mitdem Beil enthauptet.