Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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bis zum Jahr 250

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aufnahm. Es ward der allgemeine Gott verkündigt, durch den,wie Paulus den Athenern predigte, aller Menschen Geschlechtervon einem Blut über den Erdboden wohnen. Für diese er-habene Lehre war eben der Zeitpunkt eingetreten: es gab einMenschengeschlecht, sie zu fassen. Wie ein Sonnenblick, sagtEusebius , leuchtete sie über die Erde dahin. In kurzer Zeit sehenwir sie von dem Euphrat bis an den atlantischen Ozean, längsdes Rheines und der Donau , über die gesamten Grenzen desReichs ausgebreitet.

Der Imperator faßte die Religion in dem weltlichsten Be-züge, an die Erde und ihre Güter gebunden. Ihm seien dieselbenübergeben, sagt Celsus ; was man habe, komme von ihm. DasChristentum faßte sie in der Fülle des Geistes und der überirdi-schen Wahrheit. Der Imperator vereinigte Staat und Religion;das Christentum trennte vor allem das, was Gottes, von dem,was des Kaisers ist. Indem man dem Imperator opferte, bekannteman sich zur tiefsten Knechtschaft. Eben darin, worin bei derfrüheren Verfassung die volle Unabhängigkeit bestand, in der Ver-einigung der Religion und des Staates, lag bei der damaligen dieBesiegelung der Unterjochung. Es war ein Act der Befreiung,daß das Christentum den Gläubigen verbot, dem Kaiser zu op-fern. Es war der Gegensatz des Irdischen und des Geistigen,der Knechtschaft und der Freiheit, allmählichen Absterbens undlebendiger Verjüngung. Aus den Katakomben stieg die Vereh-rung der Märtyrer hervor; an den Stellen, wo die olympischenGötter angebetet worden, aus den nämlichen Säulen, die derenTempel getragen, erhoben sich Heiligtümer zum Gedächtnis der-jenigen, die diesen Dienst verschmäht und darüber den Tod er-litten hatten. Der Cultus, den man in Einöden und Gefängnis-sen begonnen, nahm die Welt ein. Man wundert sich zuweilen,daß gerade ein weltliches Gebäude der Heiden, die Basilika, ineine Stätte christlicher Verehrung umgewandelt worden. Es hatdies doch etwas sehr Bezeichnendes. Die Apsis der Basilikaenthielt ein Augusteum, die Bilder eben jener Cäsaren, denenman göttliche Ehre erwies. An die Stellen derselben trat, wie