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genommen und erklärt sie seien es nicht mehr, indem sie dein(Trajans) Bild verehrten und die Götter anriefen. Sie behaup-teten, ihr Vergehen oder ihr Irrtum habe lediglich darin bestan-den, an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang aufzustehen,gemeinschaftlich einen Hymnus an Christus als Gott zu singen,sich durch einen Eidschvvur zu binden, nicht zu irgendeinem Ver-brechen sondern zur Enthaltsamkeit von Diebstahl, Räuberei,Ehebruch, Meineid, Untreue; worauf sie sich trennten um sichnochmals zu einem für beide Geschlechter gemeinsamen und dochunschuldigen Mahle zu versammeln, was sie indes unterlassenhätten seit dem Edict, durch welches ich in deinem Namen alleGenossenschaften (Hetaerien) verboten habe. Ich habe zwei Skla-vinnen denen man den Namen Ministrae (Diakonissen) gab, fol-tern lassen, aber nichts als ausschweifenden Aberglauben bei ih-nen entdeckt. Dieser Aberglaube hat Städte, Dörfer, Land ange-steckt, aber er läßt sich noch heilen und hemmen. Die beinaheverlassenen Tempel haben wieder besucht zu werden begonnen;die lange vernachlässigten heiligen Ceremonien werden wiederausgeübt; die Opfer finden wieder einige Käufer auf welche sielange vergebens harrten. Durch Begnadigung der Reuigen kön-nen viele von ihrer Verirrung zurückgeführt werden.“
„Mein lieber Secundus“, erwiderte Trajan , „du hast bei derUntersuchung gegen solche die vor dir als Christen angeklagtworden sind, den richtigen Weg befolgt. Es lassen sich in dieserBeziehung keine allgemeine Vorschriften erteilen noch bindendeRegeln aufstellen. Man muß sich der Nachforschung enthalten.Werden Schuldige angeklagt, so müssen sie zur Strafe gezogenwerden. Verneint ein Angeklagter daß er Christ ist und bekräf-tigt er seine Verneinung durch Handlungen, nämlich durch An-rufung unserer Götter, so verdient seine Reue Mitleid, mag auchseine Vergangenheit verdächtig sein. Es darf aber keine Unter-suchung stattfinden, wenn der Urheber der Anklage unbekanntist. Denn dies ist ein sehr schlimmes Beispiel und paßt nichtmehr in unsere Zeit.“
Einige Zeit später (107) wurde dem Kaiser als er auf seinemZuge durch den Osten in Antiochia war, der Bischof der Kirche