Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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bis zum Jahr 250

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V.

Anstelle allgemeiner Eindrücke und Stimmungen sei hinsicht-lich des Hervortretens des Christentums innerhalb der beiden er-sten Jahrhunderte das schon erwähnte Martyrium des BischofsIgnatius von Antiochia ausführlicher berichtet (im wesentlichenanschließend an A. v. Reumont).

Trajan hatte schon mehrere Jahre regiert, als C. PliniusSecundus die Provinz Bithynien verwaltete. In dieser Provinzwaren den römischen Zollpächtern und Beamten wie überall inKleinasien Juden gefolgt. Unter diesen Juden hatte die LehreChristi große Fortschritte gemacht, welche sich bald auch aufNicht-Juden erstreckten. Daß in Bithynien die Zahl der Christenbedeutend war, ersehen wir aus dem Zeugnis des Plinius . Sei-ne Amtsgeschäfte brachten ihn mit denselben in Berührung. DieVerhältnisse waren so eigentümlicher Natur daß er sie dem Im-perator vorlegte und um dessen Urteil über seine Maßregeln bat.Plinius schrieb an Trajan :Ich habe den Prozessen gegen dieChristen nie beigewohnt, weiß auch nicht was an ihnen zu erfor-schen und zu bestrafen ist und in welchem Maße. Auch anderePunkte sind mir zweifelhaft, ob Erwachsene und Kinder, Reuigeund Verstockte in gleicher Weise zu behandeln sind, ob der bloßeName Christ ein Verbrechen ist oder nur daran sich knüpfendeVergehen zu bestrafen sind. Ich habe solche welche mir alsChristen angegeben wurden, gefragt ob dem so sei. Bejahten sie,so wiederholte ich die Frage ein-, zweimal, indem ich sie mit derAhndung des Gesetzes bedrohte. Beharrten sie, so ließ ich sierichten. Ihre unbeugsame Hartnäckigkeit verdiente die Strafe.Waren römische Bürger darunter, so sandte ich sie nach Rom .Da im Verlauf der Verhandlungen die Zahl der Fälle sich mehrte,ergaben sich manche Verschiedenheiten. Eine geheime Anklagebeschuldigte eine Menge Leute. Alle stellten das Factum in Ab-rede. Sie erfüllten was ich von ihnen verlangte, riefen die Götteran, opferten deinem (Trajans) Bild Weihrauch und Wein, ver-fluchten den Namen des Christus, alles Dinge die man, so heißtes, von wahren Christen vergebens heischt. Andere haben sichauf die Anklage als Christen genannt, dann die Aussage zurück-

Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.

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