bis zum Jahr 250
477
des römischen Papsttums, Berlin 1876, Seite 3 ff.) und diejenigedes Prälaten A. de Waal („Rompilger“ S. 139 ff.).
Wattenbach schreibt:
„Nicht die Geschichte der römischen Gemeinde und des rö-mischen Bischofs ist es, welche unsere Aufgabe bildet. VomPapsttum ist in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnungnoch nicht die Rede; wir brauchen uns nicht in das Dunkel dieserZeiten zu vertiefen.
Nach der Lehre der römischen Kirche ist der Apostel Pe-trus der erste römische Bischof, der Begründer der päpstlichenWürde und Macht. Auf die von ihm den Nachfolgern über-gebene Schlüsselgewalt begründeten die Päpste ihre Ansprüche,bis sie, kühner geworden, sich Stellvertreter Christi, ja Gottesnannten.
w
In Wirklichkeit ist Petrus nie in Rom gewesen. Aber imganzen Mittelalter, von sehr früher Zeit an, hat man allgemeingeglaubt, und niemand daran gezweifelt, daß der Apostel Petrus der erste Bischof von Rom gewesen sei, und die ganze Fülle seinerapostolischen Gewalt seinen Nachfolgern übergeben habe. AlleWorte Christi an Petrus , welche man in der heiligen Schriftlas, nahm man unbedenklich an als auch für seine Nachfolgergültig. In diesem Falle war der Glaube wichtiger als die Tat-sache. Schon im zweiten Jahrhundert gesteht Irenaeus der rö-mischen Kirche eine hohe Autorität zu, als der größten, der älte-sten, die begründet sei von den Aposteln Petrus und Paulus , unddie Tradition ununterbrochen erhalten habe.
In Wirklichkeit hatten sich in Rom frühzeitig zwei verschie-dene Gemeinden gebildet. Die eine bestand aus Judenchristen;sie hielt am Alten Testament und am Gesetze fest. Die andere,aus Heidenchristen bestehend, hatte den freieren, paulinischenStandpunkt. Paulus und Petrus waren die Repräsentanten die-ser beiden Richtungen, welche sich im heftigsten Kampfe in Romgegenüberstanden. Endlich ist es gelungen, sie zu vereinigen.Es ist von der größten, folgenreichsten Bedeutung, daß hier vonnun an Petrus und Paulus als gleichberechtigt galten, daß hier