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Welche Umstände den Diokletian zu dem plötzlichen Um-schwung seines Verhältnisses zu den Christen veranlaßten, istnicht feststellbar.
Der Kaiser erließ am genannten Tage durch öffentlichenAnschlag Vorschriften, deren Wortlaut wir nicht kennen, vondenen uns die Schriftsteller Eusebius und Lactantius aber be-richten, daß sie bestimmt waren, die Christen zu degradierenund dadurch sie zum Abfall zu bewegen. „Die gottesdienst-lichen Versammlungen der Christen sollten verboten sein, ihreKirchen niedergerissen, ihre heiligen Schriften verbrannt wer-den; diejenigen, welche Ehrenstellen und Würden besäßen, soll-ten dieselben verlieren; gegen Christen jeden Standes solltebei gerichtlichen Untersuchungen die Folter angewandt werdendürfen; die Wohltaten des gemeinen Rechtes sollten ihnen ent-zogen sein, die christlichen Sklaven aber, solange sie Christenblieben, nie freigelassen werden können.“
Schon am 23. Februar hatte der praefectus praetorio zuNicomedia die Verfolgung gewaltsam begonnen, indem er in Be-gleitung von Offizieren und Beamten die große Kirche durchseine Praetorianer plündern und zerstören ließ.
Als erstes Opfer nach der Publikation des Ediktes wurdeein angesehener Christ verbrannt weil er den Anschlag abgeris-sen und mit spöttischen Bemerkungen zerfetzt hatte. Sodannfolgte die grausame Tortur und Hinrichtung mehrerer Palast-beamten und Pagen, von welchen Petrus, Dorotheus und Gorgo-nius mit Namen genannt werden.
Innerhalb eines Jahres hatte sich die Bewegung zu einerwirklichen allgemeinen Christfenverfolgung verschärft. Zu-nächst erfolgten Aufstände im Orient, welche ein zweites Ediktveranlaßten, das den Verhaftsbefehl enthielt gegen alle Vorsteherder Gemeinden. Sodann schritt man zu einem dritten Edikt fort,welches als Erleichterung gelten sollte. Es enthielt die Bestim-mung daß die Gefangenen wenn sie opferten freigelassen, sonstaber mit allen Mitteln zum Opfern gezwungen werden sollten.Im Jahre 304 folgte ein viertes Edikt das über alle Christenwelche nicht opfern wollten das Todesurteil verhängte.