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V.
Der Kirchenhistoriker Eusebius gibt im Anschluß an die vor-hergehende Schilderung ruhigen Fortschreitens des Christentumseine erschütternde Darstellung der jenen Zustand ablösendeninneren Zwiste der Christen, als deren göttliches Strafgerichter die diokletanische Verfolgung betrachtet:
„Als wir wegen allzugroßer Freiheit in Nachlässigkeit undLauheit verfielen, als einer den anderen zu beneiden und zu ver-lästern begann, gewissermaßen innere Kriege zwischen uns aus-brachen und wir einander wechselweise mit Worten gleichwiemit scharfen Waffen anfielen, Vorsteher gegen Vorsteher, Ge-meinde gegen Gemeinde tumultuirend aufstanden, und endlichVerstellung und Trug die äußerste Grenze erreichten, da beganndie göttliche Sühne wie gewöhnlich mit leiser Mahnung. Nochbestand die Kirche unversehrt und die Menge der Gläubigenkonnte frei Zusammenkommen, als die Verfolgung bei den imHeere Dienenden anfing. Da uns aber der rechte Sinn in solchemMaße abging, daß wir nicht im geringsten daran dachten Gott zu besänftigen; da wir im Gegenteil, die irdischen Dinge sorglosbehandelnd, dem Schlimmen Schlimmes hinzufügten; da dieHirten, die Fessel des Glaubens verachtend, mit einander ha-derten, auf nichts als Beleidigungen, Drohungen, Eifersucht,Haß und Feindschaft sannen, ihre obrigkeitliche Gewalt in of-fenbare Tyrannei verkehrten; da erfüllten sich die Worte Jere-mias: „In seinem Zorne hat der Herr die Tochter Sion verdun-kelt und die Glorie Israels vom Himmel herabgestürzt, und erhat sich seines Fußschemels nicht erinnert am Tage seines Zorns.Der Herr hat allen Glanz Israels mit Nacht bedeckt und selbstseine Trümmer vernichtet“.
VI.
Am 24. Februar 303 brach in der bithynischen HauptstadtNicomedia, wo Diokletian während seiner ganzen Regierungs-zeit residierte, eine neue, die größte und grausamste aller Chri-stenverfolgungen aus.
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