Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Die Kaiser

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Lagers nebst dessen inneren Bauten ward zerstört. Die Restedes italischen Heeres wurden nach dem Rhein gesandt.

Senat und Volk waren begeistert durch den Thronwechsel.Nebst anderen Ehrenbezeichnungen erkannten sie dem Constan-tin einen Triumphbogen zu. Dieser wurde zusammengebautaus schönen klassischen Bruchstücken anderer Bogen, namentlichdes Bogens des Trajan . Zwischen dem Colosseum, dem Forumund dem Palatin stehend ist er die Verkörperung des Gegen-satzes zwischen dem Kaisertum des ersten und des vierten Jahr-hunderts.

Constantin mußte noch vor Beginn des Winters nach Ober-italien zurück. In Mailand verständigte er sich mit Licinius .In Oberitalien und in Gallien wurde er dann durch kriegerischeund organisatorische Aufgaben beschäftigt.

Erst im Jahre 315 besuchte er Rom wieder, für kürzere

Zeit.

Im Jahre 326 war Constantinus zum letzten Mal in Rom .

A. v. Reumont schildert die Lage folgendermaßen.

Das überwiegend heidnische Rom sah in den ersten Tagendes Juli 326 einen Imperator, welcher, wenn er die Staatsreligionnicht offenbar angetastet hatte, im Bewußtsein des Volkes ihrschon feindlich gegenüber stand. Dieser Imperator erschien nichtwie ein Nachfolger des Augustus, sondern in der Pracht desOrients, in pcrlengestickter Tunica, das Haar bedeckt mit einemvom Diadem überragten, unter dem Kinn befestigten Helm.

Als der gewohnte feierliche Zug der Ritter zum capitolini-schen Jupitertempel stattfand, verschmähte er nicht bloß, an dem-selben teilzunehmen was man durch die damit zusammenhängen-den religiösen Ceremonien erklärte, sondern er äußerte, von deipalatinischen Burg aus das Schauspiel betrachtend, über die Pa-rade herben Spott, der bald unter die Menge kam. So wendetesich die Volksstimmung gegen ihn. Unehrerbietiges Geschreiverfolgte ihn in den Straßen: man sagt, es war nahe daran, daßer seine Krieger einhauen ließ. Aber er besann sich und be-

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