Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Bauwesen, Bevölkerung, Verfassung usw.

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derts aber, namentlich bei dem Kirchenvater S. Hieronymus (340420), zeigen sie bereits sehr ausgeartet. Die Weit mitihren Lüsten hatte sich in die obern wie in die untern Klassen derGemeinde von Rom eingedrängt; man konnte eifrig andächtig unddabei sehr sittenlos sein. Fürchterliche Krisen bewegten zuzei-ten die ganze Gemeinde; aus Ammianus wissen wir, daß beimStreit des Damasus und Ursinus um das Bistum (366) einesTages hundertsiebenunddreißig Erschlagene in der sicinischenBasilika lagen. Hieronymus , welcher der Sekretär des siegrei-chen Bischofs Damasus wurde, lernte in dieser Stellung Großund Klein kennen; er wußte, wie allgemein die Tötung der nochungeborenen Kinder war; er sah zwei Leute aus dem Pöbel sichheiraten, wovon der Mann schon zwanzig Weiber, das Weibschon zweiundzwanzig Männer begraben hatte. Am genauestenschildert er die vornehmen Stände und gewisse Geistliche, undzwar in ihrer Wechselwirkung. Fürstlich zieht die große Dame,die reiche Witwe, einher, mit rotgeschminkten Wangen; ihreSänfte ist umgeben von Verschnittenen. Mit dem nämlichenGefolge erscheint sie fleißig in den Kirchen und schreitet, Almo-sen spendend, majestätisch durch ein Spalier von Bettlern. ZuHause hat sie Bibeln auf Purpurpergament in Gold geschriebenund mit Edelsteinen besetzt, kann aber dabei die Armen hungernlassen, wenn ihrer Eitelkeit nicht gedient wird. Ein Ausrufergeht in der Stadt herum, wenn die Dame zu einer Agape, einemLiebesmahl, einladen will. Auch sonst ist bei ihr offene Tafel;unter andern Schmeichlern treten Kleriker heran, küssen dieFrau vom Hause und machen eine Handbewegung wie um eineGabe in Empfang zu nehmen; nichts aber macht die Damen sostolz als die Abhängigkeit der Priester.

Hieronymus , welcher sich nicht immer ausdrücklich aufRom bezieht, aber doch im ganzen die römische Gesellschaftschildert, verdammt besonders das Auftreten der Kleriker inden vornehmen Häusern, zum Behuf der Erbschleicherei, derHerrschaft und der Üppigkeit.Einige spielen die Asketen, mitlangem Haar, Bocksbart, schwarzem Mantel und bloßen Füßen;sie betrügen sündige Weiblein durch scheinbares Fasten, das

Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.

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