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sie durch nächtliches Essen wieder einbringen.“ „Andere lassensich zu Presbytern und Diakonen weihen, nur um die Weibermit größerer Freiheit zu sehen; diese Art geht zierlich gekleidet,reich toupiert, duftend von Wohlgerüchen, alle Finger von Stei-nen blitzend; ihrer Fußbekleidung zuliebe schweben sie auf denZehen.“
Der Schriftsteller Ammianus Marcellinus (330—400) über-liefert uns die Schilderung der großen Masse in Rom . Er beginntbei Anlaß eines Aufruhrs wegen Mangel an Wein und schildertdas römische Volk als sehr trinksüchtig. „Die seit Konstantineingeführten Weinverteilungen genügten nicht; wer es irgendaufzuwenden hatte, lag ganze Nächte in den Tavernen.“
Die „gemeinen Römer“ wurden übrigens als ein noch immertrotziges Volk geschildert, voller Selbstgefühl. „Es gab, un-geachtet des Zustroms aus allen Ländern seit einem halben Jahr-tausend, noch viele uralte Bürgergeschlechter, die sich auf ihreNamen Cimessor, Statarius, Cicimbricus, Pordaca, Salsula usw.etwas zugute taten, auch wenn sie barfuß liefen.“
Bisweilen erging im Theater der wilde und bedenkliche Ruf:„Hinaus mit den Fremden!“ — Diese Fremden, sagt Ammian ,die doch ihre einzige Stütze und Hilfe sind! Was den Haupt-ruf „Panem et Circenses “ anlangt, so gab es keine angst-volleren Augenblicke, als wenn die Kornflotten aus Afrika durchKrieg oder widrige Winde aufgehalten wurden.
Ein Stadtpräfect Tertullus (359) stellte bei einem solchenAnlaß dem wütenden Pöbel seine Kinder als ein Pfand vor undbesänftigte ihn damit so weit, daß man nach der immergrünen,rosenduftenden Tiberinsel mit den Dioskurentempel bei Ostia ziehen konnte, wo sich sonst jährlich das römische Volk einenheiteren Festtag zu machen pflegte. Dort opferte Tertullus demKastor und Pollux , und das Meer wurde ruhig, und ein sanfterSüdwind brachte die vollen Flotten herbei.
Unersättlich war der Römer in all dem geblieben, was Schau-spiel hieß.
Im vierten Jahrhundert waren es nicht mehr von Staats we-gen bewilligte Geldmittel, welche hier für den Hauptbedarf sorg-