520
zu Roms großem Schaden gezeigt, wie gefährlich der hohe alteName der Weltherrin gemißbraucht werden könne, wenn die Kai-ser ferne im Orient und im Norden saßen, allein Konstantinwußte, daß nach Aufhebung der Prätorianer nichts Ernstlichesmehr zu befürchten war. Daß er in Rom residieren sollte, er-wartete wohl im Ernste niemand mehr von ihm.“
„Rom hatte einen Vorzug behalten, der vielleicht in jenemAugenblick nicht besonders schwer zu wiegen schien: den aner-kannten Vorrang seines Bischofes vor allen Geistlichen des Rei-ches. Man konnte damals noch nicht ahnen, daß in angemes-sener Ferne vom byzantinischen Kaiserthron ein abendländischerHohepriesterstuhl zu stehen kommen würde, daß einst die Hierar-chie, in Konstantinopel selber durch die weltliche Herrschaftüberstrahlt, in Antiochien, Jerusalem und Alexandrien durchKetzerei und durch das Schwert des Islam erschüttert, in Romder Mittelpunkt einer neuen geistigen Welt werden müsse.“
V.
In der Charakterisierung der Bewohnerschaft Roms folgenwir wiederum der Schilderung Jacob Burckhardts. Dieser nenntdie Bevölkerung jener Zeit „ein Volk welches seit Jahrhundertenvon Spenden lebte und nichts als einen unaufhörlichen stets ge-steigerten Genuß kannte und verlangte.“ Die bedeutende Mengeeheloser, wenig oder garnicht beschäftigter Menschen, die Ein-wanderung reicher Provinzialen, die Konzentrierung des Luxusund des Verderbens, endlich das Zusammenlaufen der größtenRegierungs- und Geldangelegenheiten müssen der Bewohner-schaft Roms einen Typus mitgeteilt haben, dem sich nichts Ähn-liches an die Seite stellen ließ. In dieser bunten Mischung, durchalle ihre Schichten hindurch, gab es zwei verschiedene Gesell-schaften, eine heidnische und eine christliche. Wie die letzteresich in den ersten drei Jahrhunderten des Glaubens, zur Zeit derVerfolgungen, ausgebildet und benommen hatte, gehört nichthierher; aus der kritischen Zeit Konstantins, da sie gewiß zunahmund sich innerlich änderte, haben wir keine genügende Kunde;die Schilderungen aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhun-