Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Bauwesen, Bevölkerung, Verfassung usw. 519

geteilt hatten, sollten fortan den Thron nicht mehr in Besorgnisversetzen dürfen.

Die Folgen dieser Trennung für das Schicksal desReiches müßten noch mehr in die Augen fallen, wenn nichtdas Haus Constantins durch Familiengreuel den Mangel der Feld-herrnusurpation ersetzt hätte. (Aus Jacob Burckhardt , Die ZeitKonstantins des Großen).

IV.

Die Gründung und die Residenzerhebung derConstantino-polis, welche nach Constantins Ausdruck eine neue Roma seinsollte, wurde durch Legung der Ringmauer am 4. November 326begonnen und durch die Stadtweihe am 11. Mai 330 abge-schlossen. Es ist bekannt genug daß Constantin die neue Resi-denz mit Mauern und Türmen befestigte, mit Palästen und Kir-chen, mit Rennbahnen und Säulenhallen ausstattete, mit Skulptu-ren und Gemälden, welche von anderen Plätzen des Reiches her-angebracht wurden, schmückte. Auch aus Rom wurden Kunst-werke hinübergeschafft, u. a. eine Anzahl von Kaiserbüsten.

Die innere Bedeutung und weltgeschichtliche Tragweite derGründung, namentlich auch ihr Verhältnis zu Rom, sei hierdurch Wiedergabe der Darstellung Jacob Burckhardts beleuchtet.

Die Constantinopolis sollte keine bloße Residenz, sondernder Ausdruck der neuen Zustände in Staat, Religion und Lebenwerden.Wie untergeordnet die Idee der Residenz er-schien, geht schon daraus hervor, daß die neue Stadtgleichen Rang mit Rom erhalten sollte, während Romgerade keine Residenz mehr war.Man nimmt wohl an, daßKonstantin einen ausgesprochenen Widerwillen gegen Rom emp-funden habe, und daß die Römer denselben hervorgerufen odererwidert hätten durch ihren Abscheu an seiner Vernachlässigungheidnischer Zeremonien. Allein es bedurfte dessen nicht mehr.Seit Diokletian war mit der Notwendigkeit der Reichsteilungenauch die Untauglichkeit Roms zur Residenz eine klar erkannteTatsache. Die Zwischenherrschaft eines Maxentius hatte zwar