Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von Diocletian bis zum Jahr 395

Redners der Lehrer vergnüglicher Künste. Während die Biblio-theken wie Gräber geschlossen stehen, werden Wasserorgeln ge-baut und Lyren so groß wie Stadtkutschen.'"'

Die Historiker stellen trotz alledem eine Besserung der Zei-ten fest.

Die Berichte ds Ammianus wissen nichts von den unerhör-ten Lastern und Verbrechen, die einst Juvenal züchtigte. Die Sit-tenpolizei erscheint im Zunehmen und mit ihr die äußere Sitte.Von große Skandalen hört man nicht. Die Regierung läßt sichmehr und mehr auf Maßregeln der allgemeinen Humanität ein underkennt die Pflicht einer durchgehenden Sorge für die Unterta-nen an.

Beweis für das Vorhandensein guter und wertvoller Kultur-tätigkeit in größeren Schichten der Stadt Rom liefert ein Zeugnis,welches S. Augustinus (354430), in seiner Konfession, derSolidität der Stadt Rom im Gegensatz zu Carthago ausge-stellt hat und wonach Rom von denjenigen Studierenden auf-gesucht wurde, welche ihrer ernsten Studien halber die Ruhe derStadt Rom liebten. * **) )

Unterstützung ernsthaftester Art fand diese Kulturpflege vonSeiten des Kaisers Valentinianus I. durch Verordnungen über dasStudienwesen. (11 leges academicae). Gewisse Verbindungen(consociationes quas proximas putamus esse criminibus), der zuhäufige Besuch der Schauspiele und unzeitige Mahlzeiten (intem-pestiva convivia) wurde verboten. Bis zum zwanzigsten Lebens-jahr konnten sie inRom bleiben;dann aber mußten sie nach Plausegehen,oderwurdenvon derPräfectur aus nachHause geschickt.*' 1 ')

*) Non ideo Romam pergere volui, quo majores questus majorque mihidignitas ab amicis, qui hoc suadebant, promittebantur (quamquam et ista du-cebant animum tune meum); sed illa erat tune causa maxima et pene sola,quod audiebam quietius ibi studere adolescentes et ordinatiore disciplinae co-ertione sedare, nee in ejus scholam, quo magistro non utuntur, passim etproterve irruunt nee eos admitti omnino nisi ille permiserit. Contra apudCarthaginem foeda est et intemperans laetitia scholasticorum.Irrumpunt impudenter etprope furiosa fronte perturbant ordinem, quem quisquediscipulis ad proficiendum instituerit. (S. August, confess. Geschrieben ca. 370).

**) F. Papencordt , Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter (1857)