Heidentum und Christentum
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Kapitel III.
Heidentum und Christentum.
i.
s ist ausgeschlossen, in dem Rahmen dieses der Ge-schichte lediglich der Stadt Rom gewidmeten Buches,den Komplex jener gewaltigen Vorgänge aufzuneh-men, welche zum Untergang des Polytheismus inEuropa geführt haben.
Unsere Darstellung beschränkt sich auf die Vorgänge inner-halb der Stadt Rom .
Diese Beschränkung erweist sich in ihrer Durchführungnicht nur als äußerlich geboten, sondern als objektiv sachlich be-gründet und zwar deswegen, weil die Stadt Rom gegenüber jenengewaltigen Vorgängen von vornherein und bis in das 5. Jahr-hundert hinein ganz anders eingestellt war als irgend ein anderesan jenen Vorgängen beteiligtes Gebiet. Rom ist durch den Pro-zeß der großen Religionsumwälzung weit weniger aufgeregt, weitweniger und weit langsamer verändert und bestimmt worden alsder größte Teil der übrigen Welt.
bemerkt hierzu: .Wenige Jahrzehnte später und mitten in dem Jammer,welchen die Völkerwanderung bereitete, treffen wir Rom als die Schuleder Beredsamkeit, wo allein ein reines Latein gesprochen wurde, wo studiertzu haben als besondere Auszeichnung galt, dann die vereinten Bemühungendes P. Agapet und des hochberühmten Lehrers des Abendlandes, Cassiodor’s ,in Rom eine Schule der Theologie zu begründen, wie sie damals in Nisibisim Oriente blühte; und als der Ausbruch des großen gothischen Kriegesnicht nur die Schulen, sondern auch das Leben selbst bedrohte, der Papstseine Sorgen der Erhaltung der Kirche und nicht der Förderung der Wissen-schaften zuwenden mußte, verfaßte Cassiodor jene Schriften, welche als Ein-leitungen zum Studium der Theologie dienen sollten und der Wissenschaft je-nen Charakter verliehen, daß sie Jahrhunderte durch nur für und in der Got-teswissenschaft Bestand gewann. Pflanzte aber der Minister des ostgothischenKönigs den wissenschaftlichen Impuls der früheren Zeit in die schreckli-chen Jahrhunderte der Übergangszeit fort, so gebührt ihm der Ruhm, dieFortdauer einer literarischen Blüthe eingeleitet zu haben, welche sich durchalles Elend des hierdurch bewährte Barbareneinbruches fortsetzte“.