Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Wir haben diese Erscheinung für die Zeit bis 313 bereitsim Wesentlichen geschildert. In der Zeit von Constantin demGroßen bis Theodosius dem Großen wurde es nicht anders. Diegroßen Erschütterungen der Glaubenskämpfe, die Spannungenund Entzweiungen innerhalb der polytheistischen Religionen wieinnerhalb der christlichen Gemeinschaften wurden außerhalb Ita-liens ausgetragen, ebenso das Verhältnis der Staatsregierung undder Staatsverwaltung zum Religionswesen.

Die Stadt Rom war von den Wirkungen jener Vorgängekeineswegs ausgeschlossen. Aber sie war in gewissem Sinneneutralisiert und mehr sekundär betroffen.

DieseSequestration Roms, wenn man so sagen darf,wirkte als Schutzhülle für die ungestörte Entwicklung desjenigenChristentums, welches in innerlicher Geschlossenheit die Kraft-quelle war, aus der die Kirche und das Papsttum erstanden. DieseEntwicklung zu schildern muß späteren Kapiteln Vorbehaltenwerden. Hier sollen zunächst die Tatsachen der Zeit von 313bis 395 berichtet werden.

II.

Unsere Vorstellung von der Entwicklung des Christentumsin Rom werden wir am besten anknüpfen an die Stätten derchristlichen Religionsübung.

Wir wissen, daß erst seit dem Jahre des Mailänder Dul-dungsediktes des Constantin, 313, die Erbauung von öffentlichenchristlichen Religionsgebäuden tatsächlich möglich und gesetz-lich zulässig wurde, während in der ältesten Zeit in den Kata-komben, dann in den von christlich gesinnten Römern hergege-benen Beträumen und Bethäusern christlicher Gottesdienst geübtwurde. Der NameKirche oderGotteshaus (aedes) wurdeerst später gebraucht. Man nannte ein Gotteshaus ursprünglichdominicum und dann, seit der Constantinischen Zeit ohne Rück-sicht auf die Formbasilica.

Aus den Bethäusern entwickelten sich die ersten Basilikenals deren älteste genannt werden: S. Pudentiana, S. Maria inTrastevere , S. Caecilia.