Heidentum und Christentum
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gen die fanatischen Priester, die ihm durch pedantischen Zvyangdas Christentum verleidet hatten, und von einer idealen Sehn-sucht nach der alten Griechenwelt getrieben, versuchte es Julianden Cultus der antiken Götter wieder einzuführen. Die Altgläu-bigen waren jetzt die Verfolgten und Unterdrückten, für derenRechte er sich erhob. In der Umwälzung des gesamten Lebens,welche die neue Lehre erzeugte, sah er mit den Göttern Griechen-lands auch die Wissenschaf t, die Kunst und Literatur unter gehen,die den höchsten Schatz der Menschheit bildeten. Von den heid-nischen Philosophen Athen’s und Asien’s hatte er die aristokrati-schen Lehren der alten Weisheit in sich aufgenommen, aber sieblieben ein totes Wissen ohne lebenzeugende Kraft. Weder diehomerischen Helden, noch die Philosophen konnten auf diesesKaisers Ruf wieder auferstehen. Auf sein Gebot öffneten odererhoben sich zwar die alten Tempel wieder, und die ergrautenPriester, denen er Privilegien und Immunitäten zurückgab, op-ferten wieder dem Mithras, der Pallas und dem Jupiter, (Jochdiese Reaktion konnte nur einen flüchtigen Fanatismus erzeugen.Vergebens wandte sich der abtrünnige Kaiser von der neuen schonhoch emporgestiegenen Sonne der Menschheit hinweg, um mitbizarrem Trotz den untergehenden Helios der Griechen anzube-ten. Julian starb, wie man behauptet, mit dem Ausruf: „Du hastgesiegt, o Galiläer!“ Sein eigensinniger Kampf gegen die großechristliche Revolution der Welt konnte diese nicht mehr hemmen.Seine Restaurationspläne fielen als unberechtigt und unvernünf-tig mit ihm. selbst, und die neue Lehre Christi gewann durch sieeine um so größere Kraft.
Rachevoll erhoben sich jetzt die Christen im ganzen Reich.Sie unternahmen, von fanatischen Mönchen angeführt, Kreuzzügegegen die Tempel und Statuen der Heiden. In wenigen Decennienfielen die prachtvollen Heiligtümer in Damaskus und Ephesus ,in Karthago und Alexandria , wo das Wunder des Morgenlandes,das Serapeum, mit allen seinen Kunstschätzen im Jahre 39I ver-brannt wurde, ohne daß die Welt, wie die Ägypter erwartet hatten,deshalb unterging. Die Heiden waren in Verzweiflung. Die Be-hörden, zum Teil selbst noch altgläubig, nahmen anfangs zu einem