Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Von Diocletian bis zum Jahr 395

dem alten römischen Staatspolytheismus und der neuen Welt desChristentums sich darstellt.

Ferdinand Gregorovius (Geschichte der Stadt Rom im Mit-telalter, 4. Aufl. Bd. I, 1886) hat diesen Gegensatz und -dessenEntwicklung wie folgt geschildert.

Weder Constantin noch seine Söhne waren erbitterte Feindeder alten Götter, welche sie aus Staatsklugheit abgeschworen hat-ten. Die Reihenfolge der Edicte aller folgenden Imperatorenlehrt, daß ihre Fürsorge sich auf die Prachtwerke Roms ohneUnterschied erstreckte, mochten sie dem heidnischen Cultus oderdem bürgerlichen Bedürfnis angehören. Gesetze verboten denPräfccten und anderen Beamten neue Gebäude aufzuführen, stattihre Sorgfalt auf die Erhaltung der alten zu lenken. Sie unter-sagten, die alternden Monumente ihrer Steine zu berauben, ihreFundamente zu zerstören, ihre Marmorbekleidung abzubrechen,um sich dieses Materials zu Neubauten zu bedienen. Was dieTempel im Besonderen betraf, so fielen auch sie in dieselbe Kate-gorie der öffentlichen, die Stadt zierenden Denkmäler. Den Kai-sern lag der Gedanke fern, ihre Zerstörung zu gebieten; sie be-fahlen nur sie zu schließen, und setzten die Strafe des Gesetzesauf das Übertreten oder Umgehen derselben, wie auf die heidni-schen Opfer. Sobald aber die Christen sich an Tempeln vergrif-fen, was sie vor den Mauern der Stadt und auf dem Lande sicherwagen konnten, so sahen Edicte dem Wiederkehren solcher Fällevor.Wiewohl, so gebot der Kaiser Constans im Jahre 343,jeder Aberglaube völlig zu vertilgen ist, so wollen wir doch, daßdie Tempelgebäude, welche außerhalb der Mauern liegen, unbe-rührt und unverderbt bestehen bleiben. Denn da aus einigen derUrsprung von Spielen, oder von circensischen und agonalischenVergnügungen hervorgegangen ist, so ziemt es nicht, dasjenige zuzerstören, woraus dem römischen Volk die Festlichkeit alterSpiele erwächst.

Von Kaiser Julian , welchen Gregorovius einen verspätetenhellenischen Philosophen nennt, erzählt er:Jung und feurig, vonden großen Gestalten des Altertums begeistert, voll Abscheu ge-