530
seltsamen Schutzmittel ihre Zuflucht, indem sie christliche Sol-daten als Wache vor den bedrohten Tempeln aufstellten. DochValentinian verbot dies als Mißbrauch der christlichen Religiondurch sein Edikt aus Mailand vom Jahre 365 an Symmachus ,nicht sowohl aus Feindschaft gegen das Heidentum, als aus Ge-fälligkeit gegen die christlichen Bischöfe, denn sowohl er alsValens hielten noch an den römischen Grundsätzen der religiösenToleranz fest.
Gratianus, der Sohn Valentinians I. , war der erste römischeKaiser, welcher die hergebrachte Würde eines Pontifex Maximus oder doch ihre Insignien verschmähte. Er trat mit Entschieden-heit gegen das Heidentum auf. Während die uralte Religion derVorfahren von den Armen und Mittelklassen bereitwillig mit derneuen Lehre vertauscht wurde, welche die Tröstung der Unter-drückten war, hielt noch eine starke Minorität der römischen Ari-stokratie hartnäckig an dem Cultus der Väter fest. Es warendarunter edle, für die Größe Roms begeisterte Patrioten, reiche,11m den Staat hochverdiente Männer aus den erlauchtesten Ge-schlechtern. Der Stolz mancher Senatoren wurde wohl auchdurch die Vorstellung beleidigt, daß sie Gott mit dem Pöbel ge-mein haben sollten, und die demokratischen und kommunistischenGrundsätze des Christentums, die Ideen der Gleichheit und Brü-derlichkeit, welche den Unterschied zwischen dem Herrn und demSklaven aufhoben, widersprachen den legitimen Institutionen derAristokratie. Diese sah mit Recht im Christentum eine sozialeRevolution, die den Untergang des alten Staates heibeifühxenmußte. Viele durch die antike Literatur und Philosophie gebil-dete Rhetoren und Schriftsteller blieben aus Enthusiasmus fürden Genius des Altertums eifrige Anhänger des heidnischenCultus.
IV.
Eine Episode des Kampfes der beiden Parteien, „eine derergreifendsten Szenen aus dem Trauerspiel des sterbenden Hei-dentums“ betrifft den Altar der Victoria im Senatshaus zu Rom ,welche als das religiöse und politische Symbol der Größe Romsgalt.