Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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erlauchter Senatorenfamilien, wie der Annius, Bassus, Gracchusund gemeiner Quiriten zum Christentum, und den Besuch derMärtyrergräber durch diese Neubekehrten. Es wird berichtet,daß der Kaiser den jungen Honorius bei den Märtyrergräbernkrönte und mit ihm thronend eine persische Friedensgesandtschaftempfing. Hier erhielt er, wie es scheint, auch die ersten Nachrich-ten von den durch des Bischofs Theophilus Fanatismus erregtenUnruhen in Alexandria und erließ die entscheidenden Verord-nungen, welche den Sturz der Göttertempel in Ägypten und demübrigen Orient herbeiführten. Hier ging er auch der Manichäer -sekte zu Leib und hob bestimmte in die Weltstadt eingeschlichenegrobe Mißbräuche auf.*)

Von Rom begab sich Theodosius nach Mailand zurück. Dortvollzog sich am Weihnachtstage des Jahres 390 jener weltge-schichtliche Akt, in dem Kaiser Theodosius sich vor der Kirchen-disciplin des großen Bischofs Ambrosius (340397) beugte.

Wegen eines zu Thessalonica aus Anlaß der Circusspiele vondem erhitzten Pöbel an dem kaiserlichen Befehlshaber und eini-gen seiner Kriegsleute begangenen Mordes hatten siebentausendEinwohner in der Rennbahn versammelt, auf des zornverblende-ten Imperators Geheiß den Tod gefunden. Zu spät hatte nach-träglich Theodosius Gegenbefehl erlassen.

Bischof Ambrosius schrieb darauf an den Kaiser:Es isteine Tat begangen worden, die ohne Beispiel dasteht in der Ge-schichte. Ich habe sie nicht zu hindern vermocht, aber ich habemich im voraus über ihre Gräßlichkeit ausgesprochen, und dein zuspäter Widerruf deines ersten Befehls hat mir Recht gegeben.Eine Synode gallischer Bischöfe war versammelt als die Kunde

*) Eine Anzahl von Konstitutionen, welche der Kaiser in der Zeit vomMonat Juli bis September an den Praefectus urbis Albinus erließ (aufgenom-men in den Codex Theodorianus sind 10 davon, s. besonders XII. 16), läßtdeutlich erkennen, wie der Kaiser bestrebt war, des Praefectus urbis Auto-rität in der Durchführung des Kaiserlichen Programms generell zu stützen. DieWendungen lassen zugleich erkennen, wie der Kaiser die Technik des Reli-gionskampfes genauestens kannte.