Die Westgoten bis 395 537
mit den alten Einwohnern, den „Geten“ und „Romanen“ sichmischten.
Im vierten Jahrhundert teilte sich das ganze Gotenvolk indie beiden Zweige der „Ostgoten“ und „Westgoten “. *) Die Ge-biete der beiden Völker waren getrennt durch den Fluß Dnjepr (Borysthenes) derart, daß die Ostgoten auf das östliche sandigeSteppengebiet beschränkt, die Westgoten aber im Genuß der saf-tigen Weidegebiete Südrußlands, sowie der Niederungen derDonau waren.
Die Westgoten nahmen infolge ihrer näheren Berührung mitden Römern bald einen Teil der römischen Kultur an. Sehr vielevon ihnen traten zum Christentum über, und zwar zum Arianis-mus. **)
Die Übersetzung der Bibel in die gotische Sprache, welcheWulfila (Ulfilas ) 318—388, den Goten und der Welt geschenkthat, ist das erhabene Denkmal dieser Kulturbeziehung.
Das Verhältnis der Westgoten zu den Römern war niemalsfreundlich. Es schlug aber in Todfeindschaft um seit etwa 367.
Im Jahre 366 unterstützten die Westgoten den Aufstand ei-nes gewissen Procopius gegen Kaiser Valens (364—378). Dieshatte einen Krieg des Kaisers gegen die Westgoten zur Folge,welcher im Jahre 369 durch ein keinen der beiden Teile ganz be-friedigendes Abkommen beendet wurde.
*) Die richtigen Namenformen sind Wisigoten (Therwingen) anstattWestgoten, Ostrogoten (Greutungen) anstatt Ostgoten.
**) Der Presbyter Arius in Alexandrien (f 336) predigte, Christus seinicht Gott sondern Mensch. Er wurde deswegen auf einer Synode zu Ale-xandrien (320) abgesetzt, fand aber bei vielen Bischöfen des Orients starkeZustimmung. Zur Schlichtung des Streites berief Kaiser Konstanrin 325 daserste allgemeine Koncil nach Nicaea. Dieses Koncil verdammte den Arius underhob die Wesenseinheit des Sohnes mit dem Vater (Homoiousia) zum Dogma.Seitdem teilten sich die christlichen Gemeinden und Bischöfe in orthodoxeund arianische. Die Germanen waren dem Arianismus zugetan, welcher sichbei den Langobarden bis In das 7. Jahrhundert hielt.
Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.
35