538 Rom im Zeichen der Westgoten. Die Hunnen
lm Jahre 375 wurden einem Teil der durch die Hunnenund durch die Ostgoten bedrängten Westgoten auf ihr dringen-des Verlangen Wohnsitze in Thracien angewiesen. Es sollen200,000 streitbare Westgoten gewesen sein, welche infolgedessenüber die Donau kamen, wobei die vom Kaiser bedungene Entwaff-nung infolge des Mißverhaltens der römischen Verwaltungsorganeunterblieb. So bestand von vornherein auch hier wieder einSpanuungsverhältnis, zwischen den neuen Ansiedlern und den Rö-mern. Die römischen Befehlshaber steigerten den Haß der Go-ten, indem sie diese schikanierten, bedrückten, mißhandelten.
Schon im Jahre 376 entlud sich die Gewitterwolke. Es warder Ausbruch des als „der Gotenkrieg“ in die Tafeln der Ge-schichte mit schwarzen Lettern eingegrabenen Kampfes, welchermit der völligen Niederlage der Römer und dem Tode des Kai-sers Valens in der Schlacht von Adrianopel (378) endete.
Über den unmittelbaren Anlaß dieses Krieges wird berichtet;
Eines Tages waren die beiden Fürsten der Westgoten, Ala-viv und Fritigern, von dem römischen Statthalter Lupicinus zueinem Gastmahl in die Stadt Marcianopolis geladen. Scharenvon Goten waren ihren Königen bis an die Tore von Marcianopo-lis gefolgt. Dort forderten sie von den Torwachen den Eintrittin die Stadt und die Möglichkeit, dort Lebensmittel zu erwerben.Beides wurde verweigert. Die Goten griffen jetzt die Wächterpersönlich an, und es kam zum Kampfe mit den Waffen. Lupi-cinus vernahm davon und befahl, die Leibwache der beiden goti-schen Fürsten niederzumachen. Fritigern hörte das Mordge-schrei, eilte mit gezogenem Schwerte hinaus, gefolgt von seinemGefährten. Keiner der Römer wagte, die gewaltigen Männeraufzuhalten. So erreichten diese das Tor, schwangen sich auf ihreRosse, gelangten zu den Ihrigen.
Fritigern rief das ganze Volk zum Kampfe auf. Die Gotenerhoben sich mit Begeisterung zum nationalen Befreiungskampf.Sie öffneten die Donaupässe anderen Barbarenhaufen, verstärktdurch eine Schar Ostgoten , welche schon früher wider den Wil-len der Römer über die schlecht bewachte Donau gekommen wa-