Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Die Westgoten bis 395 539

ren. Ein Haufen ihrer Landsleute, die im römischen Dienststanden, verließ diesen und ging zu ihnen über.

Kaiser Valens, der in Antiochia war, entsendete von dort einHeer, welches an der Donaumündung blutig aber ohne Entschei-dung gegen die Goten kämpfte. Darauf rüstete Valens ein neuesgroßes Heer, welches er unter den Mauern von Adrianopel sam-melte, um von dort die Goten anzugreifen und niederzuwerfen.Anstatt dessen erlitt Valens eine der furchtbarsten Niederlagen,welche in der römischen Geschichte verzeichnet sind. Der Zeit-schriftsteller Ammianus Marcellinus weiß ihr nur die Niederlagevon Cannae an die Seite zu setzen Es war am 3. (oder 9.) Au-gust 378, als in der Ebene von Adrianopel bei Nikäa die West-goten in offener Feldschlacht das letzte Heer schlugen, das Rom hatte aufbringen können.

Zwei Drittel des römischen Heeres fanden ihren Untergang.Der Kaiser selbst kam in einer von gotischen Plünderern ange-zündeten Hütte um, in die man ihn verwundet gebracht hatte.

Die Städte Adrianopel und Konstantinopel und andere festePlätze wiesen zwar die Sieger von ihren Mauern zurück, aber dieGoten überströmten das ganze offene Land von Thracien undMacedonien bis zum Adriatischen und Aegeischen Meer hin, allesplündernd und verheerend.

Der Gotenkrieg war durch die Schlacht von Adrianopel nicht beendet. Er setzte sich in Gestalt wilder Raubzüge derGoten gegen die gesamte römische Bevölkerung fort, wobei eingotischer Führer äußerte:Die Römer fallen von den Gotenwie die Schafe, sodaß mich oft ein Überdruß des Schlachtens an-kommt.

In dieser Not entsann Kaiser Gratian sich des Sohnes desgroßen Feldherrn Theodosius, welcher auch Theodosius hieß undnach dem Tode seines Vaters in Spanien lebte. Er berief den33-jährigen allgemein geschätzten durch fürstliche Stattlichkeit

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