Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Stilicho, Honorius , Alarich

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II.

Gegen Ende des Jahres 403 begab sich Kaiser Honorius nachRom und feierte, dem dringenden Wunsch der Römer entspre-chend, die Siege des Stilicho und die Befreiung Oberitaliens vonden Goten durch einen Triumphzug.

Durch den Dichter Claudianus sind wir über die Einzelhei-ten des Triumphes unterrichtet.

Honorius kam über die milvische Brücke herein, auf demSiegeswagen; neben ihm Stilicho, der Minister und General, derSchwiegervater des Kaisers, in heldenhafter Schöhnheit, wie derDichter Claudian begeistert schildert.

Bischof Innocenz I. kam, an der Spitze der Priesterschaft,mit Fahnen und Kreuzen, dem Kaiser entgegen.

Langsam bewegte der Zug sich durch die Triumphpforten,unter dem Jubelruf des Volkes, welches alle Straßen bis zumCapitol und Palatin, und selbst die Dächer der Häuser bedeckte,bald dem jungen Augustus, bald dem großen Helden zurufend,und mit Verwunderung das ungewohnte Aussehen der meist bar-barischen Kriegsscharen, ihre fliegenden Drachenfahnen, ihrestählernen Harnische, ihre bunten mit Pfauenschweifen ge-schmückten Helme betrachtend.

Alle Körperschaften der Stadt hatten sich zum Empfangeaufgestellt, auch der Senat, dem der Kaiser nicht gestattete, sei-nem Wagen, wie herkömmlich, zu Fuß vorauf zu gehen

Honorius nahm seine Wohnung im Palast der Cäsaren. Diebunten Schwärme des kaiserlichen Hofstaats erfüllten wieder dieöden Marmorsäle des Palatin. Denn seit hundert Jahren war dasPalatium fast völlig verlassen gewesen; nur zweimal hatte es alsAbsteigequartier für die Kaiser gedient, als sie aus ihren fernenResidenzen zum Besuche nach Rom kamen. Von Constantin ei-niger seiner schönsten Zierden beraubt, bot es bereits ein Bilddes Verfalls.

Honorius blieb ein Jahr lang in Rom . Er gab dem VolkSpiele im Circus Maximus , Wagenrennen, Tierjagden, auch Waf-fentänze.