Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
552
Einzelbild herunterladen
 

Werke vielleicht noch hellenischer Arbeit, und so vieler Kost-barkeiten, welche die Ahnen der Geplünderten einst im fernenPalmyra, in Assyrien und Persien mit gleich räuberischer Kriegs-wut erbeutet hatten.Viele Römer hatten während der Bela-gerung ihre Reichtümer versteckt, weshalb sich seither mancherleiSagen von vergrabenen Schätzen in Rom bilden mochten, aberdie meisten werden sie unter den Martern ihrer entlaufenen Skla-ven, der rachsüchtigen Angeber des Besitztums ihrer Tyrannen,preisgegeben haben. Kaum konnte in einer Stadt der Welt jeeine reichere Beute dem Feinde zugefallen sein; sie war in derTat unermeßlich, ja unglaublich groß, wie der Zeitgenosse Olym-piodorus*) gesagt hat.Die Goten, als arianische Ketzer vonden Römern verabscheut, als Feinde, die mehrmals zuvor empfind-lich geschlagen worden waren, und als Rächer ihrer Nationerbittert, ließen freilich ihre Wut gegen eine Stadt aus, derenkraftlos gewordenes Volk sie verachteten. Unter ihren Schwer-tern und denen zumal der heidnischen Hunnen, Skyrren undAlanen und der befreiten Sklaven wurden Tausende in undaußerhalb Roms niedergemacht, sodaß es, wie Augustinus klagte,an Händen fehlte die Leichen zu begraben.

A. v. Reumont , Geschichte der Stadt Rom, Bd. I, 1867,Seite 740, schreibt:Zum erstenmale seit der gallischen Erobe-rung, somit seit achthundert Jahren, betrat ein siegreicher FeindRoms Boden. Dieser Feind drang unaufhaltsam vor: im Nustanden die Bauten der sallustischen Gärten nebst der Umgebungin Flammen. Sonst wurden die Gebäude der Stadt ebenso ge-schont wie die Zahl der Opfer unter den unseligen Einwohnerngeringer gewesen zu sein scheint als man vermuten durfte. Diemeisten dieser Opfer kamen natürlich auf die ersten Momentedes Angriffs und der Verwirrung, von denen Blutvergießen und

*) Olympiodorus aus Theben in Ägypten war am Hof des Honorius an-gestellt. Er wurde mit diplomatischen Sendungen betraut, und er schriebeine Geschichte des weströmischen Reiches für die Zeit 407425. Erhaltenist von dieser Schrift nichts. Was wir davon wissen, beruht auf Auszügendes 891 gestorbenen Schriftstellers Photius . Hierauf bezieht sich das Zitatbei Gregorovius Photius p. 180.