553
Gewalttaten unzertrennlich sind. Aber Gewalttaten konnten auchnach den ersten Momenten nicht fehlen seitens eines siegreichenHeeres, dessen Reihen von Kriegern aller germanischen, selbstmongolischer Stämme gefüllt waren, seitens der Unmasse losge-brochener Sklaven, die sich an ihren Herren rächten. Beim Ein-zug hatte Alarich geboten, die Apostelkirchen zu schonen,welche Tausenden unverletztes Asyl boten. Der Plünderung aberward drei Tage lang freier Raum gelassen und während der Plün-derung wurden zahlreiche Gefangene gemacht.“ „Wenn dieGoten, Alarichs Befehl gehorsam, die Kirchen schonten, wennweniger Blut floß als in manchen ähnlichen Fällen, so waren die,welche ihnen in die Hände fielen, den Mißhandlungen preisgege-ben, welche Habsucht und Lust ersannen.“
Felix Dahn , Urgeschichte der germanischen und romanischenVölker, Band I, 1881, Seite 348, schreibt.: „Die Berichte überden Umfang und das Maß von Zerstörung, Beschädigung undPlünderung in der Stadt gehen weit auseinander: sie sind partei-isch gefärbt und tendenziös: die den Goten oder Stilicho und derGermanenpartei, als deren Rächer Alarich noch immer galt,Feindlichen übertreiben den Grad der Verwüstung bedeutend.Aber auch die Anhänger der alten Götter gefallen sich darin, diegotische Verheerung als Strafe des Abfalls von dem Väterglau-ben grell auszumalen, während die eifrig Christlichen das Un-glück abzuschwächen suchen im Vergleich mit Schlägen, welchedie Stadt unter dem Schutz des capitolinischen Jupiters betrof-fen. Auch Gunst oder Abgunst gegenüber Honorius läßt das vonihm abermals preisgegebene Rom leichter oder schwerer heimge-sucht werden. Im Ganzen muß man die rhetorisch-declamatori-schen Übertreibungen im Stil damaliger Schriftstellerei fast jederArt in Anschlag bringen: derselbe Autor stellt in verschiedenerTendenz das Unheil bald geringer, bald größer dar: jedenfallswurden durch Brand nur wenige Häuser zerstört und das Asyl-recht der obzwar doch katholischen Kirchen ward von den arla-nischen Siegern geachtet: zwar ist es nur Legende, daß Alarich die Aufforderung, die Peterskirche zu plündern, mit den Wortenzurückgewiesen habe: „mit den Römern führe ich Krieg, nicht
36