Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Plünderung Roms 410

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außerdem durch die große Zahl von notorischen Fällen, in wel-chen die Plünderer völlig ungehemmt durch derartige Beschrän-kungen verfahren sind.

Hinsichtlich der persönlichen Sicherung gegen Angriff aufLeib und Leben haben wir schlimmste Nachrichten über dasSchicksal von Frauen.

Der zeitgenössische Kirchenhistoriker und Schriftsteller So-crates Scholasticus, soll vonvielen gemarterten und gemordetenSenatoren berichten.

III.

Die alten und die neuen Geschichtsschreiber erzählen mitgleicher Liebe folgende Episode:

Ein Gote drang in das Haus einer frommen Jungfrau, welcheer einsam, wehrlos und furchtlos einen aufgehäuften Schatz vonkostbaren Gefäßen hütend fand. Im Begriff auf diese Beute sichzu stürzen, wurde er durch die ruhigen Worte der Jungfrau zu-rückgeschreckt, daß er tun möge, was seines Willens sei, denndie Schätze seien Eigentum des Apostels Petrus , und der Heiligewerde den Tempelräuber zu bestrafen wissen. Der Barbar tratzurück, und nachdem er dem Könige Alarich von demVorfall Kunde gegeben, erhielt er den Befehl, sowohldie Weihgeschenke des Apostels,* als ihre Hüterin un-ter sicherer Bedeckung nach dem S. Peter zu geleiten.Als diese seltsame Schar von Plünderern, Kelche, Schalen, Lam-pen, Kreuze, die von Smaragden und Hyacinten funkelten, vorsich hertragend, fortzog, verwandelte sie sich alsbald in eine Pro-zession. Die fliehenden Christen. Frauen, ihre Kinder an derHand, wehrlose Greise und Männer, vom panischen Schreck er-faßte Heiden, mit ihnen Allen friedlich gemischt Barbaren, de-ren Waffen und Kleider von Blute trieften und auf deren Gesich-tern die bestialische Leidenschaft mit plötzlicher Glaubensandachtkämpfte, schlossen sich aneinander, und indem sie zum S. Peterzogen, durchbrachen sie das wüste Gelärm der Plünderung durchdie feierlichen Töne eines Hymnus, und sie boten ein Gemälde

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