Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Plünderung Roms 410

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Wesentlich ist dabei, daß wir das Nebeneinanderbestehenzweier ganz verschiedener Baucharaktere in der Stadt im Augebehalten: nämlich die Stadt der Baudenkmäler und die Stadt derProletarier.

Wir vergegenwärtigen uns den Augenblick, da unmittel-bar vor Aufgang der Sonne die ersten Goten in geschlossenerMarschordnung durch die soeben geöffnete Porta Salaria voran-drangen.

Nach dem Eindringen in die Porta hatten die Goten rechtsvor sich die Gärten und die Prachtbauten des Sallust (MontePincio ), geradeaus das Villenviertel der Alta Semita und ihrerUmgebung auf dem Quirinal , links das größte Proletarierviertelder Stadt, zwischen Porta Salaria und Porta Esquilina sich andie Stadtmauer anschließend und hinüberreichend bis gegen dieVillenviertel am Esquilin und an der Velia, westlich bis zumVicus Longus.

Hinter diesen großen Wohnvierteln (im Westen) lagen dieStadtteile des öffentlichen Lebens und der Baudenkmäler, vomColosseum über den Palatin, das Kapitol, die Kaiserfora, dasMarsfeld sich erstreckend, noch weiter dahinter die große Plebe-jerstadt des Aventin, sowie das langgestreckte Trastevere .

Es ist nicht anzunehmen, daß Alarich es unterlassen hatte,dafür zu sorgen, daß nach Öffnung des Engpasses der Porta Sa-laria schleunigst andere Tore geöffnet wurden, und daß die Mas-sen der einmarschierenden Truppen verteilt wurden auf die ver-schiedenen Straßenzüge und Stadtviertel.

Ferner darf als gewiß angesehen werden, daß das Vordrin-gen der Plünderungskolonnen in den verschiedenen Stadtviertelnsich verschiedenartig gestaltete und auch von vornherein in ver-schiedener Weise vorgesehen war.

Anders mußte der Hergang sein in dem Gebiete der vici mitihren Sackgassen und Rattenkönigen von an- und aufeinander ge-türmten sechstöckigen Holzbauten, Winkeln, Hängebuden, Hüh-nerstiegen, gebrechlichen Außentreppen und Verschlügen, an-ders im Gebiet des Palatin , der Kaiserfora, des Circus und desMarsfeldes.