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Im Jahre 413 ging eine neue ernstliche Gefahr, welche derStadt Rom drohte, glücklich vorüber.
Der Graf Heraclianus hatte sich während der allgemeinenVerwirrung und Ohnmacht des Reichs im Jahre 413, wo er zumConsul ernannt worden war, in Afrika empört. Nachdem er dieGetreideflotte, welche Rom nähren sollte, zurückgehalten, kam erselbst mit vielen Schiffen gegen die Tibermündung, um sich derStadt Rom , die er wehrlos und herrenlos glaubte, zu bemächtigen.Aber Marinus, Hauptmann der kaiserlichen Truppen (solcheerschienen wieder im Felde), brachte ihm an der Küste eine voll-ständige Niederlage bei, so daß er als Flüchtling in Afrika er-schien, wo der Usurpator den Tod fand.
IV.
Noch einmal gewährte Honorius der alten Hauptstadt dasSchauspiel des Triumphes. Es war im Jahre 417, nachdemWallia der Westgotenkönig, Ataulfs Nachfolger, den Pakt seinesVolkes mit dem Reiche erneuert und für das Reich in Hispaniendie Kriegsführung übernommen hatte, nachdem endlich in Gal-lien jener Attalus niedergeworfen worden war, der zum zweitenMale als Gegenkaiser aufgetreten war.
Gregorovius sagt über den Triumpf des Honorius: „Niemalswar der Einzug eines Kaisers trauriger und schmachvoller. Sei-nem Wagen vorauf ging freilich Attalus in Ketten und mitSchande bedeckt, die er nur dem Kaiser zurückgab. Die Römerselbst, vom Gefühle ihrer Erniedrigung bedrückt, empfingen ihrenHerrscher mit knechtischem Zuruf und mit stummen Vorwürfen.Honorius konnte sich jetzt weder mehr von den Lorbeeren Sti-licho’s einen Abglanz, noch von der Muse Claudian’s das Lob desTriumfators erborgen. Er ermunterte die Römer, ihre Stadt ausdem Ruin wieder zu erheben, und wenn man den Berichten derSchriftsteller trauen darf, so erholte sich Rom von der gotischenPlünderung in kurzer Zeit so sehr, daß sie „herrlicher als früher“dastand. Die feilen Stimmen der Schmeichler gaben dem Kaiserden großen Titel des Wiederherstellers.“