568
auf Rom zu unterlassen, gegen das Versprechen der Römer , ihmfortan einen jährlichen Tribut zu zahlen.
Attila zog dann nach Pannonien zurück, drohend, daß erItalien und Rom zerstören werde, wenn man ihm nicht die ihmverlobte Prinzessin Honoria mit angemessener Mitgift über-liefere.
Dies auszuführen wurde er durch seinen im Jahre 453 ein-getretenen Tod verhindert.
Die Rettung Roms gegenüber Attila wurde von der StadtRom eine zeitlang durch kirchliche Jahresfeste gefeiert. An ei-nem dieser Jahresfeste tadelte der Bischof Leo der Große dieRömer, daß sie, anstatt am Apostelgrabe Dankgebete darzubrin-gen, den circensischen Spiele nachrennten. „Die religiöse Feier“,so sagte er, „bei welcher wegen des Tages unserer Züchtigungund Befreiung das ganze Volk der Gläubigen zum Dank gegenGott zusammenströmte, ist fast von allen alsbald vergessen wor-den, wie die kleine Zahl der Anwesenden lehrt, und das hat meinHerz betrübt und erschreckt. Ich schäme mich es zu sagen, unddoch darf ich es nicht verschweigen: mehr wird den Dämonen alsden Aposteln angehangen, und mehr Volk ziehen die schändlichenSchauspiele an sich, als die Stätten der Märtyrer. Wer hat dieseStadt gerettet? wer sie von Gefangenschaft erlöst? wer sie vomMord befreit? die circensischen Spiele oder die Sorge der Hei-ligen?“
Gregorovius gibt der Hunnischen Episode der Stadt Romfolgende Nachschrift:
„Wenn Attila Rom erobert hätte, so würde die Furie dermongolischen Horden diese Stadt in einen qualmenden Schutt-haufen verwandelt haben. Der Welt blieb der entsetzliche Ruinerspart, und Rom wurde ihr als die heilige Überlieferung derJahrhunderte, als Mittelpunkt der Civilisation und der politischenwie religiösen Ideen erhalten.“