570 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
abendländischen Gebiet stärken können. Der historische Verlaufwar anders. In demselben Tempo, in welchem die Teilung desReiches herankam, nahm die Ohnmacht und die Bedeutungslosig-keit der Stadt zu.
In der Person des Kaisers Honorius und in dem Geschichts-ablauf seiner Regierungszeit hat sich die Abtrennung Ostromsund der Niedergang der Stadt Rom parallel vollzogen.
Die Stadt Rom hat in dieser Zeit nicht nur ihre Eigenschaftals Haupt- und Residenzstadt verloren, sondern auch von ihrerBedeutung als Stadt so viel eingebüßt, daß es eigentlich nur nochdurch seine „Steine“, durch seine starken Mauern, und durch dienoch unzerstörten Baudenkmäler, den Titel der Urbs aeternastützen konnte.
Rom war eine italische Stadt wie andere geworden, derenGeschichte nur Stadtgeschichte war, nicht ganz unberührt natür-lich von der Geschichte Italiens und von der Geschichte andererLänder und Völker, aber nicht mehr Trägerin einer über dasStadtgebiet hinausreichenden Herrschaft und Herrschafts-geschichte.
Aus der vorstehend bezeichneten Geschichtswendung ergibtsich für die von uns nunmehr anzutretende Fortsetzung unsererder Gesichichte der Stadt gewidmeten Darstellung eine wesent-liche Einschränkung.
Weltgeschichtliche Geschehnisse, weiche örtlich nicht inner-halb der Stadt Rom oder in ihrer nächsten (frei zu begrenzenden)Umgebung in die Erscheinung treten, müssen von der Darstellunggrundsätzlich ausgeschlossen bleiben, auch wenn sie indirekte, seies noch so starke, Wirkungen in der Stadt Rom hervorbringen.Im Rahmen unserer Darstellung kann grundsätzlich so wenig dieGeschichte des oströmischen Reiches, wie die Geschichte dergermanischen Völker und Reiche, der Hunnen, Vandalen, Ost-goten , Langobarden, Burgunder, Franken, im Zusammenhang ge-schildert werden.