572 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
mit großer Munificenz für den Kirchenbau und den Kirchen-schmuck.
Die hervorragenden Feldherren Aetius und Bonifatius, aufwelche Placidia sich stützte, bekämpften sich gegenseitig persön-lich. Dabei ging die römische Provinz Afrika verloren, und dasVandalenreich, der gefährlichste Gegner Roms, wurde gegründet.
Nach Placidias Tode *) hat Valentinian jahrelang Residenzin Rom genommen, durch schwere Untaten seine Würde und seinAndenken schändend und dadurch den Untergang seines Reichesbeschleunigend.
Die schlimmsten seiner Verbrechen waren die Ermordung desAetius und die Entehrung der Gattin des Senators Maximus,worüber hier im Anschluß an die Schilderung von Gregorovius berichtet sei.
Aetius , der Bezwinger der Hunnen, vom römischen Volk alsRetter gefeiert, von seinen Neidern gehaßt, unermeßlich reich undauf dem Gipfel der Macht, hatte den Ehrgeiz, durch Familienrbande mit dem kaiserlichen Haus verbunden zu werden. Er besaßzwei Söhne, Carpilion und Gaudentius. Valentinian hatte zweiTöchter, Eudokia und Placidia. Durch Eidschwur hatte der Kai-ser seinem General gelobt, eine dieser Prinzessinnen dem einenoder dem andern der Jünglinge zu vermählen. Die Höflinge, unterihnen der Eunuch Heraclius , scheinen diese Verbindung hinter-trieben zu haben, indem sie dem Kaiser den Aetius als Verräterschilderten. Eines Tages forderte Aetius in einer Audienz in denGemächern des Palastes zu Rom vom Kaiser dringlich die Voll-ziehung seiner eidlichen Versprechung. Daraus entstand eineSzene, auf welche es vonseiten des Kaisers und anwesenderHöflinge von vornherein abgesehen war. Ohne weitere Veranlas-sung, wahrscheinlich auf ein Signal, das dem Kaiser gegebenwurde, stieß dieser sein rasch gezogenes Schwert dem Aetius in
*) Sie starb am 27. November 450 zu Rom . Beigesetzt wurde sie in Ra-venna, in einem Grabmal, in welchem sie einbalsamiert, auf einem Stuhlevon Cypressenholz sitzend, noch Jahrhunderte lang zu sehen gewesen seinsoll.