Untergang des weströmischen Kaisertums 573
den Leib. „Der auf den Marmorboden niederstürzende Aetiuswurde von den Dolchen und Degen der anwesenden Höflings-schar durchbohrt. Jauchzend vor Rachlust bedeckten diese nochdie Leiche des letzten der großen Feldherren Roms mit Wunden,“heißt es.
Die Untat gegen die Gattin des Maximus geschah folgen-dermaßen. Valentinian , welcher wie die Schriftsteller sich aus-drücken „sich durch die Reize seine Gemahlin nicht befriedigtfühlte, richtete sein Verlangen auf die Gattin des Petronius Ma-ximus , des damaligen Hauptes des berühmten Geschlechts derAnicier.“ Es ist derselbe Maximus, welcher nach dem Tode desValentinian 77 Tage lang Kaiser war. Ihn, den Gatten, benutzteValentinian, als unwissentlichen Kuppler seiner Gattin. Valenti-nian lud denselben zum Brettspiel in seinen Palast. Währenddes Spieles entlockte der Kaiser ihm seinen Ring. Diesen ließder Kaiser heimlich und eiligst durch einen Eilboten der Gattinüberbringen mit einer angeblichen Bestellung der Kaiserin, diesewünsche die Gattin des Maximus im Palast zu sprechen. DieserAufforderung folgend wurde die Ahnungslose in ein abgelegenesGemach zu Valentinian geführt, um dort von diesem auf derStelle vergewaltigt zu werden. Als Maximus nach Hause zu-rückkehrte, fand er sein Weib in Scham und Verzweiflung aufge-löst, ihn selbst beschuldigend, der Verkäufer ihrer Ehre zu sein.Maximus beschloß, den Schimpf im Blute des Elenden abzuwa-schen. Er selbst war der reichste und vornehmste Mann in Rom ,zweimal Consul gewesen, viermal Stadtpräfekt, auch Präfekt desPrätorium Italiens , und durch eine öffentliche Statue im Fo-rum des Trajan geehrt. Ihm und dem anicischen Geschlechtkonnte es nicht an Mitteln fehlen, den Racheplan auszuführen.
Als der Kaiser am 16. März 455 in der Villa „ad duas Lau-ros“, am dritten Meilenstein der Via Labicana, den Übungen derTruppen zusah, wurde er von Meuchelmördern, darunter zweiGoten, Optila und Traustila, niedergestoßen. Zu seiner Rettungwurde kein Schwert aus der Scheide gezogen.