574 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
in.
Maximus ließ sich arnTage nach der Ermordung Valentinianszum Kaiser ausrufen, am 17. März 455. Nachdem er die LeicheValentinians zu St. Peter bestattet hatte, bewog er (seine un-glückliche Gattin war aus Gram gestorben) die Kaiserin -WitweEudoxia dazu, wie es in einem Bericht heißt, „den Tod ihres un-würdigen Gemahls in seinen eigenen Armen zu vergessen.“
Die byzantinischen Geschichtsschreiber haben in unglaubwür-diger Darstellung dieser Vorgänge an dieselben die Sage ge-knüpft, Eudoxia habe aus Rachsucht den Vandalenkönig Gei-serich zum Zuge gegen Rom eingeladen. Ausführlich wendetsich dagegen die Schrift G. Morsi, L’invito di Eudossia a Gen-serico, pubbl. del Real Istituto di studi sup. Firenze 1882.Gregorovius schlägt vor, angesichts der Unaufklärbarkeit derFrage, dem Beispiel eines Chronisten zu folgen, welcher, nachdemer den Sturz des Valentinian und die Usurpation des Maximuserzählt hat, einfach berichtet, daß „der Thronräuber die Exzesseseiner Leidenschaft bald genug gebüßt habe, denn schon nach demzweiten Monat seiner Herrschaft sei die Flotte Geiserichs ausAfrika in die Tibermündung eingelaufen.“
Die Umstände und der Verlauf des Vandalenzuges selbstsind uns, wie folgt, genau überliefert.
IV.
Anfang Juni 455 wurde das Geschwader des VandalenkönigsGeiserich auf der Höhe des blauen Meeres vor Portus gesichtet.
Als die schrecklichen Fahrzeuge sich dem Hafen von Portusnäherten, bemächtigte sich der Einwohnerschaft eine furchtbareAufregung, welche sich mit Windeseile nach Rom übertrug. DieAufregung in Rom verwandelte sich sofort in einen Aufstandgegen den Kaiser Maximus.
Maximus war fassungslos, traf keine Verteidigungsanstalten,entließ seine Umgebung, riet allen zu fliehen, wohin sie könnten.
Er eilte aus dem Palast, um sich der allgemeinen Flucht an-zuschließen, zu welcher Volk und Adel in grenzenloser Verwir-rung aufbrachen.