Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
575
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Untergang des weströmischen Kaisertums 575

Als der Kaiser auf der Straße von den Bedienten des Pala-stes getroffen wurde, töteten sie ihn durch Steinigung.

Den zerrissenen Körper warf man in den Fluß.

Inzwischen war Geiserich gelandet und zog mit seinem gro-ßen Heer auf der portuensischen Straße nach Rom .

Niemand widersetzte sich dem Vandalischen Heer.

Aber es geschah etwas Unerhörtes.

Der ehrwürdige Bischof Leo schritt mit seiner Geistlichkeitdem Zuge der Vandalen entgegen, demütigte sich vor Geiserich,wie einige Jahre vorher gegenüber Attila , hielt furchtlos den Hee-reszug auf und sagte mit beredten Worten dasselbe, was er demHunnenkönig einige Jahre zuvor gesagt hatte.

Geiserichein Mensch, fast so wild, so häßlich, so furcht-bar wie Attila , unterlag offenbar einem tiefen Eindruck undsagte dem Bischof, er werde das Leben derjenigen, die keinenWiderstand leisteten, schonen, die Gefangenen nicht martern, dieGebäude nicht verbrennen.

Dann rückte der Vandale durch das Tor von Portus eswar am 14. Juni 455 in die unverteidigte Stadt ein und gingzur Plünderung über.

Für eine volle Frist von 14 Tagen wurde die Plünderung dergesamten Stadt freigegeben, auch für alle Paläste, öffentlichenGebäude und die Kirchen, mit Ausnahme der den beiden Apostelngewidmeten Basiliken.

Der Sehrifsteiler Procopius schildert:

Man sah zu gleicher Zeit in allen Straßen der Stadt plün-dern. Hunderte von beladenen Wagen fuhren beständig ausdem Tor von Portus hinaus, um den Raub nach den Schiffen zubringen, welche den Tiber bedeckten. Die Barbaren stürztensich vor allem auf das Palatium, wo der Kaiser seine Residenzaufgeschlagen hatte. Sie raubten mit solcher Gier, daß sie selbstvon den kupfernen Geschirren nichts übrig ließen. Auf demKapitol plünderten sie den noch unzerstörten Tempel des Jupiters.Geiserich raffte nicht allein Statuen zusammen, welche dort nochverschont geblieben waren, und mit denen er seine afrikanische