!
576 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
Residenz zu schmücken gedachte, sondern er ließ auch das Tem-peldach zur Hälfte abdecken und die Ziegel von vergoldeterBronze auf die Schiffe laden.“
Procopius erwähnt ausdrücklich eines Schiffes der Beute-flotte, welches mit Statuen beladen war, und allein das Schicksalhatte unterzugehen, während alle anderen Schiffe in Karthagolandeten.
A. v. Reumont schreibt: „Wenn die Vandalen und die zahl-reichen Mauren in Geiserichs Heer weniger mordeten als sieplünderten, so machten sie hinwieder zahlreiche Gefangene. Tau-sende von Vornehmen und Reichen wurden weggeschleppt, unterihnen, aller ihrer Habe und Kleinode beraubt, die Kaiserin -Witwe Eudoxia mit ihren jungen Töchtern Placidia und Eudokia ,den letzten Sprossen von des Theodosius Stamm.“
Mehr als alles andere hat die Plünderung Roms dem vanda-lischen Namen seine schlimme Bedeutung gegeben für alle Zeiten.
Gregorovius faßt das Ergebnis der Plünderung folgender-maßen zusammen.
Der allgemeine Ruin der Stadt war unermeßlich. Nach-dem die Vandalen mit dem Besitze der großen Provinz Afrika die dortigen Latifundien der römischen Patricier und die Patri-monien der Kirche an sich gerissen, haben sie nunmehr auch inRom selbst die senatorischen Familien größtenteils an den Bet-telstab gebracht, und das Volk durch Elend, Flucht und Sklavereigemindert. Man darf behaupten, daß Rom innerhalb fünfund-vierzig Jahren, seit der Eroberung durch Alarich , um 150000,ja vielleicht um eine größere Zahl der Bewohner ärmer gewordenwar. Viele alte Geschlechter waren ganz verschwunden, vieleführten ein elendes Dasein fort und gingen wie die verlassenenTempel in Ruinen. Große Paläste standen leer und ausgestorben.Das verödende Leben der Römer begann sich gespensterhaft inder Stadt zu bewegen, welche zu weit geworden war, um von ihmerfüllt zu werden. Erstaunt man schon vor den großen StreckenRoms, welche zur Blütezeit des Kaisertums nur mit unbewohn-ten Tempeln, Basiliken, Arkaden und Lustanlagen jeder Art be-deckt, von der Volksmenge nicht immer hinreichend belebt wer-