Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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578 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden

Sidonius , der Bischof von Clermcnt (470), hinzufügend:wennman die Prärogative des Heeres nicht berücksichtigt.

Der Senat setzte dem Ricimer konsequenten Widerstand ent-gegen, und diesen konnte der Heerführer um so weniger brechen,als die römische Regierung, das heißt der römische Senat (seit457 in Constantinopel) in Kaiser Leo I. einen mächtigen Be-schützer gefunden hatte.

Am 1. April 457 ließ Ricimer im Lager von Ravenna seinenFreund, den Julius Valerius Majorianus zum Kaiser ausrufen.

Es wird über diese Wahl berichtet:

Die Wünsche des Volkes, des Staats und des Senats, ja selbstdes Kaisers Leo I., waren durch diese Wahl befriedigt. SelteneTugenden schmückten den neuen Kaiser. Die Lateiner begrüß-ten ihn mit Jubel. Er erinnerte alsbald seine erstaunte Mitweltan die besten Fürsten Roms, und mit Anteil betrachtet noch diespäte Nachwelt in Majorian das allerletzte Bild eines edlen rö-mischen Imperators.

Der Kaiser, welcher das zerrüttete Reich wieder herzustel-len, die Finanzverwaltung zu bessern und den verknechteten Cu-rien der Städte neues Leben einzuflößen suchte, nahm auch dieStadt Rom in seine Obhut. Deren ödes Aussehen, der schnelleVerfall ihrer Monumente, welche der Staat zu erhalten aufgehörthatte, und noch mehr die gewaltsame Zerstörung alter Gebäudedurch die Habsucht der Römer selbst, erfüllten ihn mit Schmerzund Scham. Er erließ im Jahre 458 (Cod. Theod. tit. IV, I)folgendes Edict:

Wir, Regierer des Staats, wollen dem Unwesen ein Endemachen, welches schon lange unseren Abscheu erregt, da ihm ge-stattet wird, das Antlitz der ehrwürdigen Stadt zu entstellen.Wir wissen, daß hie und da öffentliche Gebäude, in denen allerSchmuck derselben besteht, mit sträflicher Gewähr der Obrigkeitzerstört werden. Während man vorgibt, daß ihre Steine füröffentliche Werke nötig seien, wirft man die herrlichen Gefügeder alten Gebäude auseinander, und zerstört das Große, um ir-gendwo Kleines herzustellen. Daraus erwächst der Mißbrauch,