Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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580 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden

Kaiser Majorianus hatte sich außer der inneren Reform alsZiel die Wiedereroberung Afrikas gesetzt. Er rüstete eine Flotteund ein zahlreiches Heer und brach im Mai 460 von Gallien ausgegen Saragossa zum Krieg gegen die Vandalen auf. Aber derVerlust eines Teiles seiner Flotte im Hafen von Cartagenanötigte ihn nach Gallien zurückzukehren.

In diesem Augenblick stürzte Ricimer ihn, dem die Selb-ständigkeit des als achter römischer Kaiser herrschenden Majo-rianus zuwider war. Er ließ den Kaiser bei Dertona (Tor-tona) in Oberitalien , wo er sich im Lager auf dem Heimmarschnach Rom befand, festnehmen, entkleidete ihn des Purpurs undließ ihn 5 Tage später, am 7. August 461, im Lager hinrichten.

VII.

Im Jahre 461 starb am 10. November der Papst Leo I. nach einem rühmlichen Pontificat von einundzwanzig Schrek-kensjahren (Gregorovius)ein großer Priester, dessen Andenkenden Römern mit Recht heilig ist; legendärer Retter der Stadt vorAttila , Milderer des Elends in der Plünderung durch Geiserich,kühn, klug und willensstark, beredt und gelehrt, ein wahrer Bi-schof, und der erste große Papst überhaupt in der Geschichte derrömischen Kirche. Er überwand mit schonungsloser Strenge dieManichäer, die Priscillianer und Pelagianer, und auf der Synodein Chalcedon (im Jahre 451), wo zum ersten Mal die LegatenRoms den Vorsitz führten, die monophysitische Ketzerei desEutyches . Er unterwarf die widerspenstigen Bischöfe Illyriens,Galliens dem Primat S. Peters, welcher durch ihn eigentlich alsDoctrin begründet, und durch kaiserliches Edict bestätigt ward.

Er war der erste Papst, der in der Vorhalle von S. Peterbeigesetzt wurde. Die Kirche gab ihm, als dem Gründer derdogmatischen Suprematie des apostolischen Stuhles den Na-men des Großen.

VIII.

Ricimer regierte nach dem Tode des Majorianus 4 Jahreüber einem von ihm eingesetzten Schattenkaiser, dem Lukanier