586 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
gemäß hatte sein Vater Edekon, ein skirisch-rugischer Häupt-ling, unter Attila gedient, war von diesem in den Verhandlungenmit Theodosius II. gebraucht worden, und hatte nach des Hunnen-königs Ende im Kampf gegen die Goten den Tod gefunden.
Odoaker , so fährt die traditionelle Geschichte fort, war inden kaiserlichen Dienst getreten, hatte zugleich mit der Kriegs-kunst römisch-griechische Gesittung kennen gelernt, und warrasch emporgestiegen. Der Feldherr Orestes hatte den Vater ge-kannt und den Sohn begünstigt. Als der Tumult im Lager aus-brach, standen bald alle Germanen in Waffen gegen den Ober-befehlshaber Orestes, welchem nur wenige Truppen blieben. BeiLaus Pompeja (Lodi) suchte dieser sich noch zu halten, schloßsich dann aber in dem festen Ticinum ein.
Am 23. August 476 von dem Heer zum König ausgerufen,rückte Odoaker dem Orestes nach, der mit schwacher Macht inPavia vergeblich sich zu verteidigen suchte und dann am 28. Au-gust 476 in Placentia (Piacenza) enthauptet wurde.
Am 4. September erschien Odoaker vor der Stadt Ravenna,wo Augustulus residierte.
Des jungen Kaisers Oheim Paulus, statt den Feind hinterden Wällen zu erwarten, nahm außerhalb derselben bei einemOrte, dessen Name Pineta auf das Vorhandensein des inspäterer Zeit den ganzen neueren Strand überziehendeu Pinien-waldes schließen läßt, eine unhaltbare Stellung ein, in welcherOdoaker ihn schlug und Paulus umkam, während der junge Kai-ser in Gefangenschaft fiel.
Der Sieger hatte Mitleid mit dem „harmlosen und wehr-losen“ Knaben und gewährte ihm bei Neapel in dem Landhausdes Lucullus, dem heutigen Castel dell’ Uovo, auf dem InselfelsenZuflucht und dauerndes Asyl mit einer Jahrespension von 6000Goldstücken.