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doaker beherrschte von Ravenna aus Italien und ließsich König der dortigen deutschen Völker, „rexgentium“, nennen, ohne indessen Purpur und Diademanzunehmen.
Den Kaiser Romulus ließ er formell vor dem Senate eineAbdankungserklärung abgeben. Der «Senat aber mußte proklamieren, daß das abendländische Kaisertum erloschen sei.
Den Senat bestimmte Odoaker, Abgesandte nach Byzanz zuschicken (478), welche dem Kaiser Zeno darlegten, Rom unddas Abendland bedürften keines besonderen Kaisers mehr, es ge-nüge ein einziger Kaiser für das Morgen,- und das Abendland; siehätten sich für das Abendland den Odoaker zum Beschützer er-wählt, ihm möge Zeno auch die Würde eines Patricius für dasReich Italien verleihen.
Aber erst als am 4. Mai 480 der Exkaiser Julius Nepos zuSalona ermordet war, verlieh Zeno dem Odoaker als seinemStatthalter Würde und Titel eines „Patricius der Römer“, wasOdoaker akzeptierte. Die Reichskleinodien des abendländischenKaisertums hatte Zeno vorher in seinen Palast zu Byzanz über-nommen.
Die vorstehend berichteten Geschehnisse sind uns in sehrdürftiger Weise überliefert. Die ganze Regierungsgeschichte desOdoaker bis zum Jahre 489 liegt im Schatten bedauerlicher Dürf-tigkeit der Nachrichten. Selbst über einen Krieg, den Odoaker in Dalmatien , im Jahre 481 führte, sind wir schlecht unterrich-tet, ebenso über die Einzelheiten der Verhandlungen des Odoaker in Rom , namentlich auch in kirchlichen Fragen.
Trotzdem darf man sagen, daß die Umrisse und die Grund-züge der Regierung Odoakers klar genug erkennbar sind, um mit