zu befriedigen. Er unternahm den Zug im vollen Einverständnisdes oströmischen Kaisers (Zeno 474—491). Zeno hatte denOstgotenkönig urkundlich mit Italien belehnt, das verwaisteAbendland als sein Herrschaftsgebiet behandelnd. Seine Hand-lungsweise war durch den Wunsch bestimmt, ein Gegengewichtgegen Odoaker zu schaffen, zugleich fraglos auch durch die Be-sorgnis der Bedrohung seines eigenen Gebietes durch Theodorichmit seinen Scharen.
Die Ostgoten langten im Sommer 489 bei der Isonzo -brücke an.
Es waren über 200 000 Menschen, *) mindestens 60 000streitbare Männer, dazu Weiber, Kinder, Herden und sonstigeHabe, „eine ganze Welt“, wie ein Schriftsteller der Zeit sichausdrückt.
Nach dem Eintreffen der Goten am Isonzofluß eilte Odoaker mit seinem Heere ihnen entgegen. An der Isonzobrücke wurdeer durch die Goten geschlagen. Er floh mit seinem Heer, nahman der Etsch in der Nähe von Ravenna Aufnahmestellung, wurdezum zweiten Mal geschlagen und mußte nun hinter den Mauernvon Ravenna Sicherheit suchen.
Die Angabe eines Chronisten, Odoaker sei nach dem Ver-luste Veronas nach Rom gezogen, von den Römern aber abgewie-sen worden, und er habe aus Erbitterung hierüber die Campagnaverwüstet, wird von den Historikern ohne Grund angezweifelt.
Der römische Senat war, wie wir wissen, von dem byzantini-schen Kaiser gewonnen worden, hatte daraufhin heimlich mitTheodorich verhandelt, und als Odoaker auf das belagerte Ravennabeschränkt war, erklärte sich der Senat offen für Theodorich. Auchließ sich schon im Jahre 490 auf Veranlassung des Theodorichder Patrizier Festus, das Haupt des Senates, dazu herbei, sichzum Kaiser Zeno zu begeben, um von diesem das königlicheGewand für Theodorich zu erbitten.
*) Ein gleichzeitiger Schriftsteller gibt die Ziffer der Köpfe mit über350 000 an. Gibbon nimmt 1 000 000 an. Andere Schriftsteller kommen auf60 000 Krieger und etwa 200—250 000 sonstige Menschen.