600 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
ker Bedeutung die persönliche Bemühung des Königs um diePflege der Toleranz in nationaler wie in konfessioneller religiöserBeziehung. Die Wortführung seiner literarischen Gehilfen Cas-siodorius, Ennodius , Boetius war ihm dabei dienstbar.
Der König hat niemals den Plan gefaßt, seine Residenz nachRom zu verlegen. Er ist auch niemals wieder in Rom gewesen.*)Aber er ist niemals erlahmt in den Bemühungen, das Wohl derStadt durch unmittelbare Anweisungen an seine Beamten zu för-dern. Es gibt keinen Zeitgenossen der ersten 25 Regierungs-jahre des Theodorich, der nicht das Lob des Königs ob seinerBemühungen um Rom gesungen hätte ,
„Felix Roma“ wurde zur Zeit des Theodorich sprichwört-lich. Inschriften bezeugen, damals „Felix Roma“ eine geläufigeBezeichnung wurde neben „Invicta Roma“ und „Roma Aeterna“.
Die Bereitwilligkeit zu den Lobpreisungen Theodorichs unddes Zeitalters wurde durch zwei allgemeine Momente getragenund gefördert. Einerseits durch den Gegensatz der Epoche nach493 gegenüber den furchtbaren 83 Jahren, welche Rom im Jahre493 hinter sich hatte, andererseits durch den Zauber der Persön-lichkeit des Königs Theodorich.
Theodorich hatte schon achtzehnjährig, als er nach 10-jäh-riger Geiselschaft am griechischen. Hof zu seinem Volk zurück-kehrte, bei diesem das Ansehen des geborenen Gotenkönigs. Mitseiner schlanken nervigen Gestalt und seiner anmutigen Gesichts-bildung, blauen Augen und dunklen Brauen bei langem blondlok-kigem Haar, war er ganz Gote, ganz Fürst, später als Mann dieVerkörperung menschlicher Gerechtigkeit und Güte, höchsterLebenskraft und weltumfassender Weisheit.
*) Auch im Jahre 515 nicht, als seine Tochter Amalasuntha in Rom ihreVermählung mit Eutharich beging, „einem der edelsten Goten aus dem Stammder Amaler“, der als Nachfolger des Theodorich galt, und in Rom präch-tige Spiele gab. Derselbe starb vor Theodorich unter Hinterlassung eines10-jährigen Sohnes, Athalarich, welchen dann Theodorich zu seinem Nach-folger bestimmte.