Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
602
Einzelbild herunterladen
 

602 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden

Theodorich selbst ließ die Trümmer des Pincierpalastes nachRavenna schaffen für den Palast, den er dort baute.

Für die dem König besonders am Pierzen liegende Wieder-herstellung des Pompe justheaters wurden die Kosten auf diekönigliche Kämmerei angewiesen.

Besondere Fürsorge wendete der König dem Schutze derStandbilder zu, welche, in Erz und in Marmor, noch immer insolcher Zahl die Stadt erfüllten, daß Cassiodorius von einemzahlreichen Volk der Statuen und vonPlerden der Reiter-standbilder (populus copiosissimus statuarum, greges etiamabundantissimi equorum) sprach, deren Prächtigkeit und Schön-heit vom König besonders bewundert wurde. Diese Kunstwerkewaren ein bevorzugter Gegenstand der in Rom eingerissenenRohheit und Plabgier. Besonders hatten es die Römer abgesehenauf die ehernen Bildwerke, welche durch Abschlagen der Gliederum so mehr verstümmelt wurden, je schärfer dieVigiles aufVerhinderung des Raubes der ganzen Bildsäulen vigilierten.

Zur Pflege der Baumonumente ernannte Theodorich einenStadtarchitekten, welcher dem praefectus urbi unterstellt war,und welchem sowohl die Erhaltung der alten Gebäude alsdie Überwachung des Stiles der Neubauten übertragen wurde.

Aber aus allen betreffenden Edikten spricht der Unwille unddie Betrübnis des Königs und seines Ministers über den Verfallder Stadt und die Enttäuschung über den geringen Erfolg allerBemühungen, den Verfall aufzuhalten und die moralische Ver-fassung der römischen Bevölkerung zu heben.

In letzterer Hinsicht verdammte Theodorich namentlich auchdie Geschmacklosigkeit und die Verderbtheit der Vergnügungenim Amphitheater und im Zirkus, an denen sich die Römer sozügellos wie je zuvor ergötzten. Der König unternahm aber kei-nerlei Zwang gegen diese Erscheinungen. Er glaubte, auf diesemGebiete gegen den Nationalgeschmack nicht kämpfen zu sollen,weil er den Kampf für erfolglos hielt. Ja, er gab selbst im Amphi-theater und im Zirkus dem Volke Spiele, welche ihm hohe Beliebt-heit eintrugen. Er hat einmal einem Wagenlenker, der aus By-