604 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
Als Gegenstand besonderer Toleranz und gerechten Staats-schutzes, welchen Theodorich zur Geltung brachte, werden dieJuden (Hebräer) hervorgehoben, deren Zahl in Rom seit Augu -stus sehr groß geworden war und zur Zeit des Tiberius die Ziffer50 000 überstieg.
Ihr Bethaus in Rom war etwa 300 Jahre älter als S. Peter.Zur Zeit des Horaz sahen die Römer als neugierige Gäste gele-gentlich „Mysterien des Moses “ zu.
Mehrmals verwüstete das römische Volk die Synagoge. Un-ter Theodosius wurde sie verbrannt. Goten und Vandalen hattensie alles Schmuckes beraubt.
Unter der Regierung Theodorichs erholten sich die He-bräer. Im Jahre 521 aber verbrannte das Volk wieder die Sy-nagoge. Aus der Klage, welche die Juden bei dem SendbotenTheodorichs in Rom , dem Aligern, anbrachten, scheint hervor-zugehen, daß Christen im Dienste reicher Juden ihre Herren er-schlagen hatten, und daß infolge der Bestrafung der Täter dasVolk an der Synagoge Rache genommen hat.
Der König erließ ein Rcscript an den Senat, worin er diesemauftrug, den Frevel mit äußerster Strenge zu bestrafen.
V.
Unsere Darstellung springt jetzt vom Jahre 500, dem Jahrdes Romaufenthaltes Theodorichs, bis auf das Jahr 523, das Jahrdes eine Epoche schwersten Religions- und Nationalitätskonfliktseröffnenden Verfolgungediktes des Kaisers Justinus (518—527)gegen die Arianer.
Die innere Verknüpfung der Jahre 500 und 523 liegt in derPerson Theodorichs und in dem Gesichtspunkt, daß die von die-sem im Jahre 500 zu Rom in St. Peter feierlich gelobte undeingeführte vollkommene Toleranz zwischen dem römisch-nicaeischen Bekenntnis und der gotisch-arianischen Christus-lehre, seitdem die feste Grundlage der gotisch-römischen Reichs-politik des Theodorich geblieben, 523 durch Justinus plötz-lich mit Gewalt aufgerissen, und dadurch alles was TheodorichsReichspolitik geschaffen, mit Untergang bedroht wurde.