610 Vom Tode des Honorius bis zu den Lang obarden
duftige Kräuter, aber Rom spendet die Gabe der Rede, die zuhören unendlich süß ist.“ Wenigstens noch ein Schatten undRest der einst von den Antoninen hier gestifteten Universitätdauerte in der Gotenzeit fort, Jünglinge zogen dorthin, um dieWissenschaften zu studieren. Man ließ die Römer mit Absichtim Genuß der Künste des Friedens, die Goten im stolzen Gefühleder kriegerischen Mannheit; denn Römer dienten nicht im Heer;in den Städten lagen nur gotische Truppen; nur Goten trugenWaffen. Aber auch unter diesen hatten manche angefangen, dierömischen Sitten und das Glück friedlicher Beschäftigung mitden Studien lieb zu gewinnen, während wiederum manche Römer,sei es aus Schmeichelei gegen die fremden Herren, sei es ausmodischer Veränderungssucht, gotische Art und Kleidung zurSchau trugen, und selbst die rauhe Heldensprache des Ulfilasnachzustammeln versuchten.“
Gleich die erste Regierungshandlung Amalasunthas be-zweckte die Versöhnung des durch ihren Vater schwer beleidig-ten römischen Senats und Volks.
„Briefe aus der Feder Cassiodors , welcher fortfuhr, dem EnkelTheodorichs als Minister zu dienen, zeigten den Römern den Re-gierungswechsel in achtungsvoller Form an, und der junge Königleistete durch seinen Abgesandten vor Senat und Volk den Eid,die Rechte und Gesetze Roms aufrecht zu erhalten. Dem Senatdiesen Geist der Versöhnung durch die Tat zu beweisen, setzteAmalasuntha sofort die Kinder des Boetius und Symmachus inihr väterliches Erbe wieder ein. Die letzten grausamen Handlun-gen ihres Vaters beklagend, suchte sie dieselben aus dem Gedächt-nisse zu verwischen, indem sie während der ganzen Zeit ihrerRegierung nie einen Römer am Leben oder Vermögen strafte.“