614 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
selbe in Konstantinopel über das von ihm in weniger als dreiMonaten überwundene Vandalenreich triumphiert hatte, mit ei-nem Heer von 7000 Mann Isauriern, Hunnen und Mauren nachSizilien . Beiisar setzte mit diesem Heer im Herbst 536 nachRhegium über, um König Theodat zu besiegen und dessen Reichzu erobern.
Den Vorwand für diesen Feldzug gab dem Kaiser die Er-mordung seiner Bundesgenossin Amalasuntha .
Die Städte Italiens ließen Beiisar ohne Schwertstreich ein.Nur Neapel leistete Widerstand. Es wurde im Sturm erobert,und, anderen Städten zur Warnung, geplündert.
Das Heer des Theodat lagerte in der Nähe der Stadt Rom .In der Stadt selbst duldeten die Römer keine Truppen, unter Be-rufung auf König Theodorich, welcher den Römern das Rechtder Besatzungsfreiheit (das wahrscheinlich auf Odoaker zurück-zuführen ist) bestätigt hatte.*) Sie verweigerten dem König denEinzug seiner Truppen mit Leidenschaft. Der Ort, wo TheodatsTruppen lagerten, war nicht ein einheitlicher. Wahrscheinlichlagen sie teils an der Tiberbrücke, teils am Anio, teils an derVia Appia .
Es scheint, daß Theodat persönlich in der Stadt blieb.
Ein Teil der gotischen Truppen, Reiterei, lagerte am Alba-nergebirge westlich der Via Appia , nahe den Pontinischen Süm-pfen, gegen Terracina, wo Weideland für die Pferde war. Dortin der einsamen Wildnis, im Anblick des Cap der Circe , welchesinselgleich dem blauen Meere entsteigt, erklärten die Reiter denunfähigen und treulosen Theodat als abgesetzt.
Nach alter Volksweise erhoben sie einen ihrer Heerführer,den zwar keinem edlen Geschlecht entstammenden, aber als Mann
*) Die Römer haben an diesem Recht auch in späteren Jahrhundertenhartnäckig festgehalten. Namentlich mußten die römischen Kaiser deutscherNation deswegen ihre Heere auf dem „Felde des Nero“, d. h. am Fuße desMonte Mario, lagern lassen (wie wir im Verlauf unserer Darstellung für dieKaiserkrönungen genauer berichten).