Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Gotisch-byzantinisches Ringen um Italien 526568 631

Rom war zum zweiten Mal in der Gewalt Totilas, bis aufdas Grabmal Hadrians .

In dieses Castell hatte sich ein tapferer Hauptmann, derCilicier Paulus, mit vierhundert Reitern hinein geworfen. AmMorgen von den Goten angegriffen, schlug er sie mit großemVerlust zurück. Sie beschlossen ihn auszuhungern. Zwei Tagelang dauerten diese Tapferen aus, verschmähend, ihre Pferde zuverzehren. Dann beschlossen sie als Helden zu sterben. Sieumarmten einander zum letzten Lebewohl, sie nahmen die Waf-fen, um hinauszustürzen und ihr Leben teuer zu verkaufen. AberTotila , der von ihrem Vorhaben hörte, bot ihnen freien krie-gerischen Abzug. Die dankbaren Reiter zogen es vor, mit denWaffen in der Hand, unter der Fahne eines freigebigen Siegersweiter zu dienen, als sich der Armut und dem Spotte in Byzanzauszusetzen. Sie ließen sich, mit Ausnahme ihrer beiden An-führer unter die Goten reihen.

XII.

Totila hatte seine Auffassung über die von ihm gegenüber derStadt Rom zu befolgende Politik gegen früher völlig verändert.Wie Gregorovius sagtdachte Totila nicht mehr daran, die Stadtaufzugeben, noch viel weniger sie zu zerstören.

Der König fand jetzt Rom als eine Wüste, von wenigem,elendem Volk bewohnt, und arm wie die dürftigste Provinzial-stadt. Um sie wieder zu bevölkern, rief er sowohl Goten als Rö-mer und selbst Senatoren aus Campanien. Er sorgte für Zufuh-ren, und gab Befehl, alles was nach seiner ersten Eroberung zer-stört worden war, alsbald wieder herzustellen.

Er lud das Volk in den Circus Maximus , zu den letzten Wett-fahrten, welche die Römer sahen.

Als die ärmlichen Reihen der Bürger und die wenigen Sena-toren sich auf den altersgrauen Stufen des Zirkus niedergelassenhatten, werden sie vor dieser Versammlung von Schatten, viel-leicht auch vor dem Spiele selbst, wie vor einem höhnenden Ge-spenste sich entsetzt haben. (Gregorovius.)