Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Gotisch-byzantinisches Ringen um Italien 526 568 637

diesen Anblick nicht entmutigt, sondern zu Löwengrimm erregt,fuhren die Goten fort zu streiten, bis die Nacht sie und den Feindumhüllte. In der Morgenfrühe kämpften sie mit ungebrochenerStärke weiter den ganzen Tag ohne zu wanken, bis auch diezweite Nacht gekommen war. Nachdem sie nun, zum Tode er-mattet, ihre zusammengeschwundenen Reihen gezählt hatten, hiel-ten sie Kriegsrat, und beschlossen mit dem Feinde zu unterhan-deln. Nachts erschienen einige ihrer Hauptleute vor Narses undsagten ihm, die gotischen Männer sähen ein, daß gegen den Wil-len Gottes fürder zu streiten nutzlos sei, sie verschmähten dieFlucht, sie verlangten freien Abzug aus Italien , um nicht alsKnechte des Kaisers, sondern als freie Männer in irgend einemfremden Lande zu leben.

Narses schwankte, aber der General Johannes, welcher dieFestigkeit der Goten aus hundert Schachten kannte, riet das An-erbieten anzunehmen.

Während man den Vertrag abschloß, rückten tausend Goten,jede Bedingung als unehrenvoll verschmähend, aus dem Lager,und die ihrer Verzweiflung ausweichenden Griechen gaben ihremAbzüge Raum, Der tapfere Indulf führte sie, bis sie glücklichnach Pavia gelangten. Die übrigen gelobten durch feierlichenSchwur, den Vertrag erfüllen und Italien verlassen zu wollen.Dies geschah im März 553 , am Ende des achtzehnten Jahres desfurchtbaren Gotenkrieges.

Wohin die letzten Goten vom Schlachtfelde des Vesuv sichendlich wandten, wissen wir nicht. Ihr trauriger Rückzug ausdem schönen Lande, welches ihre Väter erkämpft hatten, und wosie unzählige Orte an die ruhmvollsten Taten mahnten, ist miteinem Geheimnis bedeckt.

XVII.

Ferdinand Gregorovius hat unter dem StichwortFolgendes Gotenkrieges für Italien und Rom den damaligen Zustandder Stadt Rom (555 n. Chr.) folgendermaßen beschrieben:

Rom war fünfmal in einem kurzen Zeitraum durch Kriegverheert, und fünfmal erobert worden. Hunger, Schwert und