Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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638 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden

Pest hatten ihre Bewohner zu Tausenden hingerafft. Samt undsonders zu einer Zeit von den Goten ausgetrieben, waren siedarauf wieder, doch nicht mehr in gleicher Anzahl, zurückgekehrt,um neuen Wechselfällen des Krieges ausgesetzt zu sein. Wirkönnen ihre Zahl nach Beendigung desselben nicht mit Bestimmt-heit angeben, aber nach allen Voraussetzungen dürfte sie mit30 000 bis 40 000 Seelen eher zu hoch, als zu niedrig berechnetwerden. Denn die Erschöpfung und das Elend Roms konnte zukeiner Zeit, selbst nicht in der Periode des sogenannten Exilsder Päpste zu Avignon , größer sein, als nach der Beendigung desGotenkriegs. Alle bürgerlichen Verhältnisse waren bis zur Un-kenntlichkeit zerstört worden.

Der Privatbcsitz mit seinen Resten von Kostbarkeiten desAltertums, welche den Vandalen und Goten entgangen sein moch-ten, war durch die Not der Belagerungen und durch die Erpres-sung der Griechen verschwunden.

Die übrig gebliebenen, an den Bettelstab gekommenen Römererbten von ihren Vorfahren kaum mehr als die nackten und ver-wüsteten Wohnungen, oder die Eigentumsrechte auf entfernteBesitzungen und nahe Äcker der Campagna, welche schon seitdem dritten Jahrhundert öde, jetzt in eine menschenleere Wüsteverwandelt war.

Aller Landbau mußte auf ihr verschwunden, jede Ansiedlungzerstört sein, während um die zerbrochenen Wasserleitungen sichweite Sümpfe bildeten.

Der damalige Zustand Roms spiegelt sich in dem allgemeinenItaliens ab, und ihn zu schildern verzagen wir, und bestätigen,was ein Geschichtschreiber über jene Epoche gesagt hat, daß diemenschliche Seele in sich nicht die Kraft zu finden vermöge, so-viel Wechselfälle des Glücks, Vernichtung von Städten, Fluchtvon Menschen, Mord von Völkern nur mit dem Gedanken zuumfassen, geschweige denn mit Worten auszudrücken.

Italien war mit Leichen und Trümmern bestreut, von denAlpen bis nach Tarent . Hunger und Pest, den Spuren des Kriegesfolgend, hatten ganze Landschaften zu Einöden gemacht.