Das Exarchat des Narses 553 — 567
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IV.
Narses verlebte seine letzten Jahre in Rom , wo er im ver-fallenen Palast der Caesaren residierte.
Die Annalen seiner Regierung als Patricius und Statthalterdes Kaisers sind auf die bereits mitgeteilten Berichte von Kriegengegen die Franken und gegen die Reste der Goten beschränkt.
Zu der tiefen Finsternis, welche nach dem Falle der Goteneinige Jahrzehnte der Geschichte Roms bedeckt, stimmen dieSchrecken der seit 542 das ganze Abendland verwüstendenSeuchen der Erdbeben, Sturmplagen, Überschwemmungen.
Auch das Ende des Narses wird nur von einem unsicherenStreiflicht erhellt, und verliert sich endlich, wie das des Beiisar,in der Sage. Diese erzählt, daß der große Feldherr verfolgt wurdenamentlich wegen des Lasters des Alters, dem Geiz. Narses habeBerge von Gold aufgehäuft. In einer italienischen Stadt habe erso unermeßliche Schätze in einen Brunnen versenkt, daß mannach seinem Tode mehrere Tage brauchte, um sie heraus zu zie-hen. Wahrscheinlicher ist es, daß es die byzantinische Militär-despotie, die Steuerlast, die Habgier griechischer Blutsauger, dieEingriffe in die Kirche, die Mißhandlung der lateinischen Na-tionalität waren, weswegen die Römer sich nach den Zeiten derGotenherrschaft zurücksehnten.
Unvermögend, die Stellung des Narses zu erschüttern, solange Justinian lebte, erreichten die Römer, ihn zu stürzen, sobaldim Jahre 565 Justinus Kaiser geworden war.
Des Narses Sturz war bei der Natur der byzantinischenGünstlingsherrschaft erklärlich, besonders da man seine Machtin Italien fürchtete. Die Römer verklagten ihn bei Justin undseiner Gemahlin Sophia, indem sie schrieben: „es war für unsbesser den Goten zu dienen als den Griechen, da der EunuchNarses uns mit Sklaverei bedrückt. Unser frömmster Fürstweiß nichts davon; aber befreie uns aus seiner Hand, oder wirwerden uns und die Stadt Rom den Barbaren überliefern.“